www.reiss-aus.com und www.aroundtheworldticket.de

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Neidisch? Ihr wollt auch? Was haelt euch noch?

So weit so gut

gibt nix Neues!

Samstag, Mai 02, 2009

Wenn man Bier in die schwedische Sonne hält, sieht es aus wie flüssiges Glück:)


...über das 1. Maiwochenende ging es nach Rydöbruk.
Oder besser: in eine Hütte an einen See!


Hennings Geburtstagsgeschenk für mich.
Hütte & See ist in Schweden ja nicht so schwer zu finden, und gerade deshalb ist es hier so wunderschön!

Home sweet Home für 3 Nächte

Der kurze Trip war eine super Idee von Henning: Obwohl wir nur drei Tage hier haben und dafür 6-7 Stunden von und nach Hamburg im Auto sitzen, ist es mal wieder großartig, unterwegs zu sein und Reiseluft zu schnuppern. Nicht nur Reiseluft, auch frische Wald- und Seeluft!

Besser kann ein Himmel nicht aussehen!

Wir hören für drei Tage keinen Stadtlärm, sondern nur Vogelgezwitscher, sitzen beim Frühstück ungestört am See im Grünen, können beim Angeln, Lesen und sogar Lernen abschalten.

Frühstück
Der Ausblick dabei
Unser erstes (und nach ein paar Anläufen sehr erfolgreiches!) Lagerfeuer

Während Henning angelt (auf dem Stein neben dem roten Eimer)...

...angel ich alibimäßig...

...und genauso erfolglos mit...

...und genieße mein Bier (Schöfferhofer Kaktusfeige, super!) video

Juhu! Zwei Erfolge! 1.: Unser Abendessen
2.: Nur noch der 6. und letzte Band liegt vor mir!


Die 2,5 kg-Forelle landet jetzt auf dem Grill. Wir hatten uns heute morgen sicherheitshalber zwar schon mit Hähnchenfleisch eingedeckt, aber selbst gefangenen Fisch zu grillen ist definitiv besser für das Outdoorfeeling und Hennings Ehre und Laune;).
Neben mir liegt auch schon eine ganze Packung Marshmallows startklar für den Grill und im Kühlschrank wartet kühles Bier.

Mhm, was will man eigentlich mehr?


video

Sonntag, Oktober 26, 2008

"...I saw Mommy kissin' Santa Claus..." Weihnachtsvorfreude bei Black Jack, Roulette und Shoppen

Hallo ihr Lieben,
unter 'geniessen' findet ihr meinen neuesten Bericht ueber Panglao, Bohol.
Ich hatte ihn schon vorher vorbereitet und weiss nicht, wie ich ihn ganz nach oben schieben kann.

Wir sind momentan auf dem Weg nach Cebu City und haben dafuer gleich noch eine 2-stuendige Fahrt mit der Faehre von Bohol nach Cebu vor uns. Jetzt sitzen wir noch in Tagbilaran, denn Henning muss mal wieder kurz an sein Business denken und was fuer seine Kunden (www.reiss-aus.com) machen. Von diesen Internetbesuchen allein lebt mein Blog!

In Cebu City steht heute abend noch der obligatorische Casinobesuch an, den Henning fuer jedes Land, in das er reist, auf dem Programm hat.
Morgen fliegen wir nach Bangkok, wo wir das nicht bei Black Jack und Roulette verspielte Geld in Schmuck, Schuhe und Kleidung investieren.
Und mit Sack und Pack startet am Mittwoch abend schon unser Flieger.

Den letzten Abend wollen wir wie den ersten Abend der Reise in der Sky Bar ueber Bangkok verbringen. Das ist doch ein gebuehrender, runder Abschluss fuer drei wunderwunderschoene Wochen.

Falls ich wegen Hennings Businessinternetbesuchen noch dazu komme, euch mehr Fotos zu zeigen und euch auch von den allerletzten Tagen auf Cabilao zu erzaehlen (tauchen, was sonst), werdet ihr bis Mittwoch noch was zu lesen bekommen.

Falls nicht: Wir sehen uns in Deutschland!
Uebrigens: Ich freue mich auf WEIHNACHTEN!

Eure Cari

Donnerstag, Oktober 23, 2008

geniessen.


Wir

Menschen

essen und trinken (obwohl dieses Bild NUR entstand, um die Groesse der Gambas zu demonstrieren)

Stille und Meeresrauschen

Im Bann des Meeres

Es war sehr schwer, eine letzte verbleibende Reisewoche aufzuteilen.
7 letzte Tage nur noch.

Die Entscheidung fiel zwischen Jungle, Insel Malapascua im Norden Cebus und der Insel Panglao / Balicasaq auf Bohol.
Am letzteren Ort landeten wir. Obwohl wir beide Jungle lieben, konnten wir uns nicht vom Meer trennen.
Mit Ausnahme der Tage in Bacolod (Masskara-Festival) und der Fahrten zu den verschiedenen Destinationen umgab uns 24-stuendlich taeglich eins der grossartigsten Geraeusche der Welt: Meeresrauschen.
Morgens wachten wir mit Meeresrauschen auf, fruehstueckten am Meer, dann tauchten wir ins Meer ein, assen am Meer, genossen abends kaltes Bier und schliefen dann irgendwann mit Meeresrauschen wieder ein.
Das laesst nicht los.

Alona Beach auf Panglao, Bohol, ist eine der bekannteren Taucherziele der Philippinen. Trotzdem soll diese Insel laut Lonely Planet nicht so ueberlaufen sein wie einige andere Straende auf Cebu. Erst recht nicht in der momentanen Regenzeit und damit Nebensaison.

Dafuer sollten wir noch einmal sehr, sehr dankbar werden...

Die Anreise nach Panglao ist wahrlich nicht die beschwerlichste und laengste der Welt, aber eben auch nicht die allereinfachste. Fuer reine Pauschalurlauber eigentlich zu schwer, da einiges selbst organisiert werden muss - dachten wir: Jeepney oder Taxi, Faehre, Trycicles (wie die thailaendischen Tuk-Tuks).
Unser erster Eindruck von Alona Beach: die reine Backpackerfalle. Ich war natuerlich trotzdem begeistert! Nach der Ruhe auf Apo ein Ort mit anderen Backpackern, vielen netten Bars und Restaurants mit Tischen direkt auf dem Strand, supergemuetlichem Licht, Cocktails, Meeresfruechten... das kann man sich doch mal ein paar Tage geben. Es ist schwer bis unmoeglich, in Asien authentische gemuetliche Bars und Restaurants zu finden, die nicht nur fuer Touris stehen. Die asiatische Gemuetlichkeit besteht aus kahlen Raeumen und Neonroehren. Vielleicht ist die upper class mit ihren schickeren Hotels und Restaurants noch eine Ausnahme?
Insofern war aber dieser Ort genau das, wonach mein europaeisches Herz sich zumindest fuer zwei Tage sehnte.

Schon am gleichen Abend sollten wir feststellen, dass sich eine ungeliebte Spezies nach Alona Beach verirrt und seitdem offensichtlich dort Nester gebaut hat, oder woher kamen all die dicken deutschen und oesterreichischen Pauschalurlauber, die dumme Blitzfotos am naechtlichen Strand machten und ausnahmslos wunderhuebsche, schlanke 23-jaehrige Filipinas an ihrer Seite hatten?

Zum Glueck gab es auch Ausnahmen! Und zum Glueck ist absolute Nebensaison und deshalb nicht einmal 1/10 der Restaurants und Resorts belegt gewesen. Sonst haelt man es dort echt nicht aus.
So blieben wir drei Naechte in Peter's House (Peter ist Deutscher, was sonst...), einem ganz netten einfachen Hostel direkt auf dem Strand (MEERESRAUSCHEN) und Dive-Center.

Insgesamt hatten wir 7 Tauchgaenge, zwei mit Peter's Dive-Center auf Panglao und, da wir schnell feststellten, dass sich dies ueberhaupt nicht lohnt, die restlichen mit einem anderen Dive-Center auf Balicasaq Island, einer winzig kleinen Insel. Die Anreise von Alona nach Balicasaq dauerte nur 30 Minuten per Boot und so fuhren wir taeglich hin und her.

Willkommen zu den besten Tauchgaengen unserer bisherigen Reise!
Balicasaq sollte zwar unsere Lust auf grosse Meeresgenossen (Haie und richtig grosse Schildies sahen wir zuerst und zuletzt in Malaysia) nicht stillen, hat uns dafuer aber mit sehr viel Makro und "medium";) erfreut. Zwei Highlights: ein Schwarm Barracudas und ein riesiger Schwarm Makrelen, in den wir mittenrein gerieten!
Grossartig!

Henning ist wie an Land so auch im Wasser fleissig mit seiner Kamera unterwegs. So wurden viele wunderschoene, spektakulaere Erinnerungen auf Chip gebannt und ein paar geniale Bilder entstanden.

Abgesehen von den Ekelpaaren um uns herum waren auch die Abende ruhig, schoen & lecker, und ich "kann" jetzt auch Skat - zumindest kenn ich vielleicht die Haelfte der Millionen Regeln.

Bald stand aber fest: Unsere restlichen Tage auf den Philippinen sollten hier nicht voruebergehen, also weiter geht's!

Auf die Insel Cabilao, nur 3 Stunden entfernt.

Das Highlight: Wir gerieten in einen riesigen Schwarm Makrelen

im Hintergrund der grosse Schatten einer Green Sea Turtle

Frogfish in Weiss - wir haben auch die dunkle Ausgabe gesehen!

Henning in der Tiefe

Aale gucken aus dem Boden

Dokumentation: Freu mich wie bekloppt ueber verbleibende 80 bar Luft nach einem 60 Minuten Tauchgang

Die wahre Attraktion des Masskara-Festivals: 2 bekloppte Deutsche

Wer ist hier falsch?

Wahrscheinlich hielten die uns alle fuer total bekloppt, dass wir uns in Bacolod zum Masskara-Fest haben blicken lassen. Das jedenfalls koennte der Grund sein, warum wir als einzige Weisse unter bestimmt 700.000 Filipinos zur heimlichen Attraktion des Wochenendes mutierten, staendig angestarrt, gelacht, gesprochen wurden. Was zum Teufel ist denn los mit uns, fragten wir uns schon, und ob 2 einzige Filipinos auf einem urdeutschen Fest eigentlich auch so verwundert, erfreut, verwirrt angeguckt werden wuerden?

Wir sind es ja gewohnt, in Suedamerika oder Asien als Fremde im Mittelpunkt zu stehen, aber das war wirklich aussergewoehnlich!

Kurioser als dieser Kollege?

Immerhin fuehlten wir uns einfach sicher aufgehoben und typisch asiatisch-hoeflich empfangen und damit besser als in einer vergleichbaren Situation in Suedamerika. Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der ich mich in Asien je ernsthaft bedroht gefuehlt habe. Einzig als ich einmal 15 Minuten ohne Henning durch die Strassen lief fuehlte ich mich durch die Pfiffe und Worte, die ich nicht verstand, wie in eins der schlimmeren Viertel Perus zurueckversetzt. Aber das wars dann auch schon.
So war das Festival in Bacolod mit all den netten Menschen fuer uns einfach nur total witzig und supernett!!

(Uebrigens blieben wir nicht die einzigen Weissen. Wir sahen im Verlauf des Haupttages vielleicht noch 10 andere...)

ALLE Hostels, Pensionen und Hotels waren restlos ausgebucht. Nach nervenaufreibender Suche und mehreren Telefonaten haben wir dummen Fremden dann auch gemerkt, dass das Masskara-Festival fuer die Bewohner der Insel Negros wie Karneval fuer die Koelner und Brasilianer und die Stadt darum voellig ueberlaufen ist.
Ein Zimmer fanden wir dann doch - im besten 5-Sterne Hotel der Stadt. Gar nicht so leicht, sich vom Budget-Traveller-Denken zu loesen und mal so viel mehr zu zahlen. Als wir dann aber merkten, dass wir ja ueber 60 Euro in einem 3-woechigen Urlaub echt nicht nachzudenken brauchen, waren wir happy mit unserer Rueckzugsmoeglichkeit aus dem Chaos: einem komfortablen, klimaanlagengekuehlten, sauberen Zimmer mit tollem Bad und allerlei ueberfluessigem, dekadentem Hotel-Schnickschnack.


Mit Masskara wird in diesem Jahr zum 27. Mal die Staerke der Filipinos aus Bacolod gefeiert. Als vor 27 Jahren der fuer die Stadt wichtige Zuckerhandel extrem einbrach und der Untergang einer Faehre viel Unglueck anrichtete, beschlossen die Bewohner, sich und allen anderen mit einem grossen Fest zu beweisen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen, was auch passiert. Sie setzten sich laechelnde Masken auf und tanzten durch die Stadt.

Heute ist der Aufzug tatsaechlich vergleichbar mit unserem Koelner oder dem Brasilianer Karneval - in Miniatur!Henning mit der Prominenz, dem Buergermeister Bacolods:)

Bis zu 15 Gruppen zeigen ihre Masken und (super!) Taenze und abschliessend wird ein Gewinner auf der Plaza gekuehrt.

Nie genug: Am Abend nach dem Umzug gehts fuer Schaulustige auf der Plaza weiter

Bis in die Nacht wird weitergefeiert und als Andenken dient ein Ohrwurm, der bis zum 28. Masskara anhalten wird: Getanzt wird von morgens bis nachts zu einem einzigen, eigenen Song.


Wir verbrachten den ganzen Tag und Abend mit Bummeln, Gucken und Lachen.
Die ansonsten sehr heruntergekommene Stadt Bacolod konnte den Ramsch durch das knallbunte Festival geschickt ueberdecken.

Wenn doch alle armen Staedte der Welt immer so bunt und froehlich sein koennten.
Wie frustrierend muss es sein, wenn am naechsten Morgen alles wieder vorbei ist.

Schoen fuer uns und gleichzeitig bedenklich, dass wir uns darueber keine Sorgen machen muessen. Es lohnt sich, dafuer immer dankbar zu sein.

Nach Sonnenaufgang um 6 am machten wir uns wieder auf den Weg, weiter, als es viele aus Bacolod je schaffen werden: nach Bohol in unser naechstes Inselparadies.

Samstag, Oktober 18, 2008

Green Sea Turtle im Riff von Apo Island - fast live fuer euch!:)

video

Party auf Apo Island: Shake what ya mamma gave ya!

An unserem 4. Tag auf Apo feierte Purok 1 eine Party fuer die Kids und Erwachsenen.
Die Party fand auf dem Weg vor der Purok-Huette im Dorf statt.

Dive Instructor David spendete Preise, die die Kids nach verschiedenen Spielen gewinnen sollten. Die Preise bestanden ausschliesslich aus Schokolade. Dass diese nur an die Kleinen ging, brach mir nach 2 Wochen ohne Schokolade echt fast das Herz. Es gab das wohl internationale Sackhuepfen in zwei Teams und ein Pantomime-Spiel, bei dem die Kinder verschiedene Situationen wie "Hochzeit" oder "Restaurant" nachstellen sollten. Es waren vielleicht 40 Kinder am Start, die sich, aufgeteilt in zwei Gruppen, so viel Muehe gaben! 2 Kinder bildeten den Restauranttisch, 2 Kinder jeweils einen Stuhl, dann gab es Gaeste, Kellner... das Hochzeitspaerchen war auch total suess, zwei Kinder standen minutenlang ganz still so, als wuerden sie sich gerade vor dem Altar kuessen wollen:)!
Jetzt der unpaedagogische Part des Ganzen: Wir als Touris, die keine Kinder in den beiden Gruppen haben, sollten unparteiisch bewerten, welche Gruppe "die Beste" war. Wir gaben uns Muehe, die Preise abwechselnd an jede Gruppe zu verteilen. Das Geschrei und Gehuepfe war gross, wenn eine Gruppe gewann! Philippinische Kinder sind glaube ich noch mehr als deutsche ein unglaublich turbulenter Sack Floehe. Sorry, nein: Philippinische Gruppen, egal welchen Alters, sind ein turbulenter Sack Floehe!

Danach war DISCO angesagt. Disco bestand aus drei Songs, die abwechselnd gespielt wurden und einem DJ, der unablaessig als Beilage zur Musik in sein Mikro quasselte, dass an die Boxen angeschlossen war.
Die Kleinen fuehrten ihre Choreos vor und es dauerte nicht lange, bis wir Gringas (ein kanadisches Paerchen war an diesem Tag auf Apo angekommen) zum Tanz durch schwitzige Filipinos aufgefordert wurden.
Selbst der Kanadier musste ran und mit Filipinokollegen tanzen, nur Henning konnte sich trotz Aufforderung durch nette Herren druecken.

Ich haette nicht gedacht, dass Asiaten so gut tanzen koennen! Ich fuehlte mich ploetzlich sehr nach Suedmaerika zurueck versetzt!
Selbst die Kleinsten haben den flow voll raus. Allen voran: der vielleicht 2-jaehrige Ibor (oder so), siehe Video! Wenn das Bild zittert - das bin ich, weil ich so lache!

Nach sehr exzessivem Alkoholmissbrauch (nicht wir;)) in Form von Rum und pisswarmem Cocoswein mit dem angenehmen Geschmack nach warmer Pisse war die Party puenktlich um 21 Uhr beendet. Denn wir ihr euch erinnert: Um 21 Uhr geht der Strom aus. Statt sie an einen Ort mit Kerzenlicht zu verlagern ist dann aber auch wirklich Feierabend, denn am naechsten Morgen muss man ja wieder raus zum Fischen.
Am naechsten "Abend" (um 17 Uhr) trafen wir die Maenner schon wieder Rum trinkend am Strand und wurden auf ein Schlueckchen eingeladen. Der Tagesablauf verschiebt sich ohne Strom und mit Sonnenuntergang ab 17:00 einfach ein paar Stunden nach vorne. Vielleicht ein bisschen wie in den frueh schliessenden irischen Pubs: wenn man es alkoholtechnisch zu was bringen will, legt man mal einfach nen Zahn zu.

Ein superwitziger Abend!
Hola, guapa...

ab jetzt neue Freizeitbeschaeftigung auf Apo Island: Armdruecken

mit Ibor


Freitag, Oktober 17, 2008

Die Rescue Diver von Apo Island


7 Tage in einem wahren, friedlichen philippinischen (Taucher-)Paradies liegen hinter uns. Klitschnass, mit zerzausten und total verknoteten Haaren von der Bootsfahrt, mit Sand und Salz auf der Haut wurden wir gestern auf dem Festland abgesetzt.

Henning bei Sonnenuntergang auf unserem Balkon

Im Flugzeug von Bangkok nach Manila entschieden wir uns gegen 4 Uhr morgens fuer eine Planaenderung. Eine Entscheidung, die allerdings schon laenger darauf wartete, getroffen zu werden. Urspruenglich wollten wir, bevor wir weiter auf die Inselgruppe Visayas reisen, noch einen anderen Teil der Philippinen sehen: Palawan. Palawan ist, gerade in der momentanen Regenzeit, Malaria-Endemiegebiet. Malaria macht mir schon Angst, wenn ich nicht mehr alle Zeit der Welt wie in Suedamerika habe, sondern nur 3,5 Wochen Urlaub. Ausserdem entschieden wir uns aus Zeitgruenden dafuer, Palwan zu streichen.
Wir suchten uns also Apo Island als unser naechstes Ziel aus dem Lonely Planet. Der Insel wird nur ein winziger Absatz gewidmet, aber der hoerte sich traumhaft an. Wir waren auf der Suche nach einem winzigen Paradies abseits der Touristraende auf anderen Inseln.
Am Flughafen in Manila kauften wir uns also Flugtickets nach Dumaguete auf der Insel Negros, der Flug ging zum Glueck bereits zwei Stunden spaeter!

Apo Island ist eine 74 Hektar kleine Insel inmitten der philippinischen Inselgruppe "Visayas".

Zur Orientierierung hier ein Google Maps Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=apo+island+philippines&sll=37.0625,-95.677068&sspn=48.956293,79.101563&ie=UTF8&ll=10.34194,123.914795&spn=3.830658,4.943848&z=8

"Liberty's Lodge und Paul's Diving", das Meer, die Sonne und die Menschen gaben uns alles, was wir zum totalen Gluecklichsein brauchten.
Die Lodge war fuer Inselverhaeltnisse schon luxurioes und superschoen, fuer unsere Verhaeltnisse aber doch eher einfach - auf der ganzen Insel gibt es kein fliessendes Wasser und keine 24h Elektrizitaet, geduscht wird per Eimer mit Regenwasser, Strom gibt es ueber den Tag verteilt je fuer 2-3 Stunden. Wie immer beim Backpacken oder Campen war es auch hier schoen, so einfach und in der Natur leben zu koennen, mit suessen kleinen Geckos ueberall.
Unsere Zimmer mit Balkon direkt zum Meer, die grosse Terrasse mit Restaurant und Kuehlschrank fuer kaltes Bier, alles war absolut genauso, wie wir es uns wuenschten.
Blick von unserem Zimmer ueber den Balkon aufs Meer

Regenzeit - in 5 von 7 Naechten prasselte Regen auf unser Holzdach und Sturm sorgte fuer etwas ersehnte Abkuehlung. Es regnete nur nachts, die Tage waren meist perfekt hell und wolkenlos

Die Insel hat 150 Haushalte und 800 Einwohner, da auf jedes kleine Haus 5 Personen gerechnet werden.
Von unserem englischen Divemaster David, der seit 8 Jahren auf Apo lebt, erfuhren wir in der Woche viel Interessantes ueber die Insel und das Leben in den Philippinen.

Das Dorf auf Apo Island ist in 7 "Puroks", Dorfgemeinschaften oder Siedlungen, eingeteilt. Jedes Purok hat ihr eigenes kleines Clubhuettchen, das liebevoll gepflegt und an Tauchgaeste fuer deren Pausen "vermietet" wird. Mit diesem Geld werden die Puroks zum jaehrlichen grossen Apo-Fest am 4. und 5. April hergerichtet. Jedes Jahr gibt es einen Contest unter den Siedlungen, 2007 lautete die Aufgabe "Tanzen", die Aufgabe aus diesem Jahr lautete: Wer hat die schoenste Purok-Huette?

Angekommen beim interessantesten Thema, Tauchen, will ich euch jezt endlich einige unserer Taucheneindruecke zeigen. Da Henning in Bangkok zum Glueck noch seine Unterwasserausruestung vervollstaendigen konnte, koennt ihr ganz uneingeschraenkt daran teilhaben - ueber und unter Wasser!
Etwas benommen nach dem allerersten Tauchgang nach zwei Jahren

Ich auf dem ersten Tauchgang. Was man nicht sieht: Ich hatte noch ganz schoen gegen das Gefuehl, keine Luft zu bekommen, zu kaempfen (was bei der Sauerstoffflasche auf dem Ruecken ja Quatsch ist), und brauchte den ganzen Tauchgang, um mich wieder an die Ausruestung und an das Tauchgefuehl zu gewoehnen.

Alle Unterwasserbilder geben euch nur eine Idee und koennen niemals zeigen, wie schoen es wirklich dort unten ist. Ich hatte die Kamera nicht selbst in der Hand, glaube Henning aber, dass es wirklich schwer ist, vernuenftige Unterwasserfotos zu schiessen.

Es gibt noch diverse Unterwasservideos, das beste zeigt eine Green Sea Turtle. Da die Videos riesig sind, weiss ich nicht, ob ich es gleich noch schaffe, sie hochzuladen - sonst zuhause!

Am zweiten Tag hatten wir zwei Fun Dives, bevor wir uns abends fuer den PADI Rescue Diver anmeldeten und diesen am naechsten Tag mit David begannen.

Zwei Kurse mussten wir hierfuer absolvieren: Einen allgemeinen Erste Hilfe Kurs und den umfangreicheren Rescue Kurs. Der Kurs dauert mindestens 4 Tage und beinhaltet viel Theorie aus einem 170 Seiten dicken Manual und noch mehr Praxis im Wasser. (Lieben Dank an Frauke fuer die Manuals! Wir haben an dich gedacht, du haettest sicher auch sehr viel Freude an diesem Kurs!)
Den Rescue Diver Schein zu machen, bedeutet, mit Unfaellen und Problemen von Tauchern unter und ueber Wasser umgehen, Taucher aus dem Wasser retten und Erste Hilfe Massnahmen durchfuehren zu koennen. Der Kurs ist dementsprechend sehr umfangreich und forderte uns, gerade in der Praxis, sehr. Aber es ist so interessant!

David stellte uns des Oefteren auf die Probe. Besser gesagt: Er stellte meistens Henning auf die Probe, da ich das Glueck hatte, immer den philippinischen Dive Guide Jad retten zu duerfen, der leichter war und einfacher im Umgang, waehrend sich David fuer Henning waehrend eines Rettungsdurchgangs viele nette Details ausdachte. An einem Vormittag wurde uns das sichere Aufsteigen mit ohnmaechtigen und panischen Tauchern aus der Tiefe gezeigt. Waehrend Henning sich voll auf die Ausruestung, den richtigen Griff und das langsame Aufsteigen konzentrierte, zog David sich in gespielter Panik den Regulator, das Atemgeraet, aus dem Mund und so durfte sich Henning erstmal darum kuemmern, dass das Opfer wieder Sauerstoff bekommt.
Wie David uns immer sagte: Alles Situationen, die ihr erleben und auf die ihr vorbereitet sein muesst!

Super war, dass wir die Uebungen und Szenarien im Wasser immer mit Tauchgaengen verbanden. Auf dem Weg zur "Unfallstelle" oder auf dem Weg zurueck legten wir also mehrere Umwege ein und David zeigte uns so viele abwechslungsreiche Seiten der Riffs rund um Apo Island. Waehrend man in normalen Fun Dives je nach Dive Master meistens an der Riffwand entlangtaucht, zeigte uns David lieber das gesamte Plateau und eher ungewoehnliche Blickwinkel, die unseren Blick nicht nur auf die Meeresbewohner, sondern vielmehr auch auf atemberaubende Landschaften richteten!

Als Abschluss des gesamten Kurses mussten wir einen Theorietest bestehen und ein komplettes Szenario inklusive Notfallsauerstoffversorgung an Land durchspielen. Vorher versprach uns David zur Belohnung einen kompletten Tauchgang - nur zum Geniessen!
Wir glaubten ihm nicht und gingen fest davon aus, dass auf diesem Tauchgang etwas Unvorhergesehenes passieren wird und wir einspringen muessen. Nichts passierte - mit 30 bar Luft, also dem Sicherheitsminimum, tauchten wir nach 60 Minuten auf und kletterten nach dem anstrengenden Tauchgang mit starker Stroemung erschoepft aufs Boot. Dieser Tauchgang war ganz besonders schoen! Fuer mich vor allem wegen der Green Sea Turtle in Greifnaehe!
Entspannt und erschoepft sassen wir auf dem Boot, das uns wieder zur Lodge bringen sollte.

Und da passierte es: Ein Taucher schrie im Wasser um Hilfe und sank danach in sich zusammen. Dieses letzte Szenario war das Realistischste von allen und etwas Adrenalin breitete sich aus...Nach 15 Minuten war alles ueberstanden und Jad ueberlebte:).
Ungluecklichweise habe ich in dem Stress im Wasser seine Maske, die ich ihm fuer die Beatmung abnehmen musste, verloren. Wenn sie nicht wieder gefunden wird, muss ich ihm eine aus Deutschland senden.Abschliessend ein Blick ueber Apo Island von einem Leuchtturm auf dem hoechsten Punkt Apos. Nachdem ich erst wie ein Rohrspaetzchen ueber den Aufstieg in der schwuelen Hitze geschimpft habe, war der Ausblick dann doch richtig schoen. Wir kraxelten ueber eine verrostete Leiter auf den 20 Meter hohen Leuchtturm und hatten eine herrliche Rundum-Aussicht ueber Apo. Es sieht nach allen Seiten so aus wie aus diesem Foto! Groesser ist Apo nicht! In einigen Jahren hat Apo neben Solaranlagen uebrigens vielleicht auch einen Windkraftgenerator, um staendig Strom fuer alle zu haben.

...Es gibt noch sooo viel, was ich euch erzaehlen moechte. Unter anderem von unserem schoensten Abend auf Apo, an dem wir zu einem Fest des Puroks Nr. 1 eingeladen wurden, mit den Kindern gespielt und mit den Filipinos getanzt haben. Es gibt viele suesse, witzige Bilder und Videos, die ich vielleicht aber nicht mehr hochlade... wir haben nur noch 10 Tage auf den Philippinen! Das "stresst" ehrlich gesagt etwas. Ich bin es nicht mehr gewohnt, beim Reisen nicht alle Zeit der Welt zu haben, sondern nur 3 Wochen. Das hoert sich vielleicht sehr unverschaemt an. Aber es ist so kurz! Man ist so relaxed, hat keinen festen Plan, ist absolut spontan, nichts ist fix oder gebucht, und trotzdem ist die Zeit hier so begrenzt und man darf sich nicht vertroedeln. Seltsame Kombi.
Deshalb geniessen wir hier jeden Tag, jede Stunde...
Und machen uns jetzt auf den Weg einer 7-stuendigen Busfahrt in den Nordes Negros, wo in Bacolod das Masskara-Fest steigt und am Sonntag in ein tolles Finale gipfeln soll.

Bis bald!

Donnerstag, Oktober 09, 2008

Bangkok - fantastisch von oben!















Die Sky Bar liegt auf dem Dach (64. Stock) eines der besten Hotels Bangkoks.

Wir hatten schon gehoert, dass die Sicht von oben grossartig und der Besuch daher trotz europaeischer Preise und Etikette einen Besuch wert sein soll.

Mit Etikette war dann doch nicht so viel wie befuerchtet. Wir hatten uns zwar extra raus aus den Flip Flops und rein in die (abgewetzten, aber noch weissen) Sneaker und in die beste Kleidung, die unser Rucksack hergab, begeben, waeren aber anders wohl auch reingekommen.

Oben trafen wir uns mit Verena, einer Freundin von Henning, die schon seit einiger Zeit auf Reisen in Thailand und heute auch zufaellig in Bangkok ist - wie beide am Nachmittag festgestellt haben!


Ich habe bisher nur eine andere so grossartige Location wie diese gesehen*.

Es ist so unglaublich umwerfend da oben. Dieser Blick auf die naechtliche Stadt, wenn man aus der Bar auf die riesige, verwinkelte Terrasse tritt, die sich auch nochmal ueber mehrere Ebenen erstreckt und ueber eine riesige Treppe mit gold beleuchteten Stufen zu einer runden Bar fuehrt, die in immer wechselndem Licht beleuchtet ist.

Die Stadt kann man fast mit einem Rundum-Blick bestaunen, das passt durch keine Weitwinkel-Linse!

Wir sassen und standen so lange da oben, haben einfach nur gestaunt, viel und supernett geredet, gelacht und Cocktails getrunken, die fast teurer waren, als ich in Deutschland fuer einen Cocktail ausgeben wuerde.

Wir wollten gar nicht wieder runter - der Moloch Bangkoks war einfach so weit weg da oben!

Es musste dann doch sein, wir wurden irgendwann mit den letzten Gaesten gebeten, zu gehen. Es war noch so frueh - vielleicht 1 Uhr, aber wir fielen tot ins Bett und schliefen bis 14:30 am Mittwoch durch.

Und jetzt schaut euch doch mal das hier an und stellt euch vor, dass ich hier in zwei Stunden bin...
Wir werden gleich abgeholt aus Dumaguete, wo wir gerade sind, per Boot nach Apo Island:

*in Rio de Janeiro, als wir auf einen dschungeligen Berg stiegen, und gerade, als wir aus dem Wald auf eine steinige Lichtung kamen, den allerbesten Blick ueber die Stadt und ihre Bucht hatten.

Dienstag, Oktober 07, 2008

Bangkok - the city of angles*

"Starten grosse Flugzeuge nicht so steil wie kleine Maschinen? Wir sind noch so tief."
"Wir sind noch gar nicht in der Luft."

"Henning, wie viel sind nochmal 200 Baat? Soviel kosten die nachgemachten Chucks hier."
"4 Euro..."

Die Backpackingwelt hat mich wieder, und zwar voll und ganz. Schon Sekunden, nachdem wir den Flughafen verlassen haben, war es soweit.
Bangkok ist laut, voll und extrem stinkend, aber man hat schon zeitweisde sogar schon Schlimmeres oder Gleichwertiges gesehen. Und es ist einfach nur grossartig und so frei, im Tuk Tuk zu sitzen und sich durch das Chaos kutschieren zu lassen, zu gucken und zu staunen - auch wenn es bisher in Bangkok wenig klassisch Schoenes zum Staunen gab. Und das Wenige - hier und da ein Tempel oder das leuchtend orange Gewand eines Buddhas - geht unter im Chaos und Smog.
Trotzdem staunen: darueber, in 10 Stunden so herausgebeamt aus der eigenen Welt in einer ganz anderen zu sein, in der alles an einem ganz normalen Wochentag wie diesem sowieso so laeuft wie es laeuft, egal, ob man nun hier mittendrin steht oder nicht. Es ist heiss (31 Grad), wir latschen in geliebten Flip Flops durch die Stadt, trinken Tiger Beer und geniessen hervorragende Thai-Curry-Coco-Kochkunst.
Sightseeing in Bangkok steht nicht so sehr auf unserem Plan - gerne einige Tempel, aber ansonsten ist einfach nur durch die Stadt zu bummeln viel besser (und es gibt auch eigentlich nichts anderes!). Wir haben diesen Nachmittag halb schlafend im Hotel (nach 4 Stunden "Schlaf" im aufrechten Sitz eines engen Urlaubsbombers sind 1,5 Stunden Schlaf im Hotel echt ein Muss) und im eisig klimaanlagengekuehlten Einkaufszentrum MBK verbracht. Riesiges Center! Da Henning ein Problem mit dem Ebay-Verkaeufer hatte, der ihm nicht mehr rechtzeitig vor dem Urlaub eine Digicam fuer sein Unterwassercase gesendet hat, hat er sich die Digicam und das Unterwassercase kurzerhand im MBK nochmal gekauft. Ich freue mich so auf Tauchen und viele Unterwasserfotos und -filme!

Gleich treffen wir uns mit einer Freundin von Henning und ihrem Freund, beide zufaellig auch hier. Bald mehr!
Kuss, Cari


*laut Touriprospekt am Flughafen, gemeint ist: Bangkok - the city of angels

Mittwoch, März 14, 2007

Zauberhaft.

Ich muss euch noch etwas schreiben (ich wuerde es ja sonst vermissen).

Ich durchforste gerade mein Zimmer (wie gut es riecht!) und finde viele schoene Dinge, mit denen viele schoene Erinnerungen verbunden sind.

In meinem Buecherregal steht ein Buch mit gruenem Deckel und schwarzen Pappseiten, in dem auf jeder Seite ein Kinderfoto klebt und in weiss etwas geschrieben steht.
Mein Abschiedsgeschenk von meinen ehemaligen Kollegen und Chefs der Kirchhoff Werbeagentur. Auf einer Seite fand ich dieses Gedicht von Hermann Hesse, mir geschrieben von einer lieben Kollegin:


Wie jede Bluete welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blueht jede Lebensstufe,
blueht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andere, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschuetzt und der uns hilft zu leben.


(...)
Hermann Hesse
Karneval in Olinda. Als die Brasilianer sahen, dass eine Gruppe Gringos fuer ein Gruppenfoto posierte, gesellten sie sich einfach dazu. Dieses Bild habe ich gerade von einer Freundin geschickt bekommen.

Daheim.

Ohne einen Flug verpasst oder die Haelfte vergessen zu haben (ich habe nichts vergessen!), rollte die Maschine mit mir auf dem Fensterplatz 19F sacht auf das Hamburger Flughafengebaeude zu.
Und mir ein kleines Traenchen aus dem Auge.

Die Landung war die sanfteteste von allen drei, die ich schon hinter mir hatte: Houston, New York, und nun Hamburg. Als die Maschine aufkam, war es trotzdem ein seltsames Gefuehl.
Ich glaube nicht, dass ich vorher wirklich realisiert habe, was das alles bedeutet. Aber sowas glaubt man ja immer, wenn man meint, irgendetwas waere "vorbei", egal, was. Und selbst in dem Moment dieses Gedankens hat man in Wirklichkeit noch nichts richtig realisiert. Und vorbei ist es auch nicht. Es geht halt immer weiter.

Ich wusste, dass Henning und meine Schwester drinnen auf mich warten, und es war eine ungewohnte und unglaubliche Vorstellung, ihnen ploetzlich auch physisch so nah zu sein.
Dass die Begruessung schoen war, muss ich ja nicht zu erzaehlen... Wir gingen Fruehstuecken in einer Baeckerei (juhu!) und brachten meine Schwester spaeter nach Hause - sie musste ja arbeiten in der Agentur.

Henning und ich verbrachten den Tag in seiner Wohnung und an der Alster. Passenderweise kam scheinbar mit mir die Sonne in Norddeutschland an (meine Oma erzaehlte mir gestern, sie haette fuer Sonne fuer mich gebetet, da sie nicht wollte, dass ich einen Temperaturschock nach der brasilianischen Sonne bekomme, da habt ihrs!). Nach genau diesem Wetter hatte ich mich gesehnt. Frische Luft, die in Norddeutschland die schoenste der Welt ist, mit viel Sauerstoff, gleichzeitig Fruehlings- und Winterduft und Sonne auf der Haut.

Ich mag und brauche alle vier Jahreszeiten. Nach Monaten mit staendigem Schweissfilm auf der Haut (bis zu 40 Grad Celsius in Brasilien) sehnte ich mich nach Kuehle... und damit meinte ich nicht mehr die Kuehlschrankatmosphaere der klimaanlagenbestueckten Banken und Einkaufscenter.
Das Hamburger Wetter war perfekt!

Dienstag habe ich mich auf den Weg nach Nordenham gemacht, um meine Eltern zu begruessen und in diesen Tagen auch Omas und Opa zu sehen (und mich arbeitslos zu melden;)).

Der Wohnzimmerfussboden sieht heute, Mittwoch, immer noch so aus wie gestern nachmittag und vorgestern Hennings Fussboden. Geschenke wurden verteilt und alle meine Sachen ausgeraeumt und akribisch erklaert woher es kommt und was es damit auf sich hat.

Ich hatte meinen Rucksack sowie eine weitere grosse Tasche mit je 16 kg, da man bei einem Flug ueber die USA zwei Gepaeckstuecke mit je 23 kg transportieren darf.
Beides wurde nach den strengen Sicherheitsrichtlinien auch gleich 2 mal durchsucht... das erste Mal in Lima vor dem Abflug. Ich war dabei, als der Sicherheitsbeamte alle meine Dinge auspackte und ueberpruefte und gab mir Muehe, richtig nett mit ihm zu schnacken... ich hatte schliesslich einige zweifelhafte Dinge. Schalen aus Kokos, ein pflanzliches Pulver namens Guarana aus dem Amazonas und viele Samen aus dem Amazonas! Die Samen sind nicht unbedingt als solche erkennbar, sie sind zum Teil auch gefaerbt, und ich habe sie nicht zum Anpflanzen, sondern zum Schmuck draus basteln...Schmuck mit Holz, Perlen und Samen wird in Brasilien ueberall von den Artesanias, den Kunsthandwerkern, hergestellt.
Gluecklicherweise hat er das alles nicht richtig gemerkt und auch die Tonmaske fuer Henning durchgehen lassen.
Die zweite Durchsuchung fand in den USA hinter den Kulissen statt, ich hatte zuhause nur einen Zettel mit der Nachricht drauf drin liegen.

Tja, und wie fuehlt es sich so an, zuhause zu sein?
Wie ich schon schrieb, freute ich mich auf "nach zuhause fliegen" wie auf eine neue, spannende Reise. Und genau das ist es auch.

Ich muss ja nicht erst sagen, dass es das schoenste und aufregendste ist, alle lieben Menschen wiederzusehen, deshalb lasse ich das jetzt mal aus.

Spannend und witzig ist, wie ich in bestimmten Situationen denke und unbewusst reagiere, und all die Kleinigkeiten, die mir komisch vorkommen oder die ich total vergessen hatte.

Zum Beispiel:
Nachdem ich alle meine Habseligkeiten schoen auf Hennings Fussboden verstreut hatte, beschlossen wir, an die Alster zu fahren. Vor Verlassen der Wohnung schoss mir kurz ein "Ach nee, musst noch schnell alles wieder zusammenpacken, sonst wird noch was geklaut!". Das kommt aus den Hosteldormitorios, geteilte Zimmer mit 4 bis manchmal 20 Betten. Das gleiche passierte wieder, als ich mit meinen Eltern das Haus auf dem Weg zum Restaurant verliess.

Beim Herumfahren durch Hamburg kamen mir alle Leute als Touristen vor, sah ich eine Gruppe mit blonden Maedels irgendwo laufen, war direkt dieses "Oh, auch Gringas!" in meinem Kopf. Man spotet ja immer automatisch alle Backpacker irgendwo in einer Menge als Gleichgesinnte heraus, wenn man ansonsten nur von Einheimischen umgeben ist.

Ich habe auch seit 10 Monaten kein benutztes Toilettenpapier mehr in die Toilette geworfen, sondern in einen extra dafuer bereit gestellten Muelleimer. So laeuft es dort, egal, in welchem Land, da die Abflussrohre so schmal sind. "Ekelig", denkt ihr jetzt wahrscheinlich, aber man gewoehnt sich daran, und schliesslich ist es immer noch besser als in Asien, wo gar kein Klopapier benutzt wird, sondern nur ein Schlauch aus der Wand haengt zum Abspritzen mit Wasser...
Hier ist es nun jedesmal eine kleine Ueberwindung, wenn vor meinem Kopf automatisch ein imaginaeres "VERBOTEN!!!"-Schild erscheint...

Haeuser sind, wie alles andere, hier auch so vernuenftig von aussen wie von innen, und zwar ALLE, unabhaengig vom Viertel, ausserhalb der Stadt, im Zentrum... In Suedamerika werden die allermeisten Haeuser nur von vorne verputzt, die Seitenwaende sowie Rueckansicht bleiben unverschoent mit Steinen und unsorgfaeltig dazwischen geklatschten Zement. Sind ja auch "unnoetige" Kosten. In Deutschland ist alles sauber, rein und vernuenftig und hat so seine Bahnen.
Keine Frage, eine Sache des Wohlstands.

Vieles, so wie dieses, faellt mir jetzt besonders auf - vielleicht noch staerker, als mir in Suedamerika das Gegenteil aufgefallen ist. Vielleicht, weil das hier mein normales Leben und meine Herkunft ist, und ich das, was immer normal fuer mich war, jetzt in ganz anderem Licht sehe. Suedamerika war nie "normal" und gewohnt fuer mich. Ich musste mich einfach ausnahmslos an alles gewoehnen. Vielleicht ist es manchmal leichter und geschieht unueberlegter, automatischer, etwas komplett Neues anzunehmen als Bekanntes mit einem neuen Hintergrund zu betrachten.

Und:
Warum sind deutsche Lichtschalter so riiiesengross und quadratisch? Ist das etwa schoen???

Oh, diese Liste koennte lang werden!

Ihr koennt sie ja bei mir anfordern, wenn ihr interessiert seid:).
Sonst erzaehl ich euch auch alles gern persoenlich.
Bis bald!

Samstag, März 10, 2007

Ciao Suedamerika

Meine letzte Zeit in Buenos Aires war gefuehlsmaessig sehr gespalten. Von Anspannung und Aufregung ueber (manchmal) Zweifel und ernste Zukunftsgedanken bis zu (meistens) tiefer Dankbarkeit und Freude vermischt mit Sentimentalitaet ueber das Erlebte und das gute Gefuehl, sich sehr auf Zuhause freuen zu koennen.
Gelegentlich fuehlte ich mich auch wie betaeubt in der Situation und unfaehig, ueberhaupt schon ueber alles nachdenken zu koennen - ich bin ja noch mittendrin!

Ein 19-jaehriger Ami hat, ohne es zu wissen, den letzten Tagen meiner Reise genau den Schliff gegeben, den so eine Zeit braucht.

Er ist ein witziger Typ, kennt man ihn nicht, wuerde man ihn eher in die Kategorie "Freak" einztufen (er sagte, in der war er auch seine gesamte Schulzeit durch). Er ist total nachdenklich, aber so gluecklich und mit sich selbst im Reinen, wie ich selten einen Menschen erlebt habe. Und dann wieder so voller aussergewoehnlicher Gedanken und Fragen an sich selbst und das Leben.

Er steht am Beginn seiner 6-monatigen Reise durch Suedamerika, ich am Ende meiner. Ein gute Ausgangsposition.

Am ersten Abend verstrickte er mich in eine Diskussion ueber den Sinn oder Nichtsinn des Lebens, gegen die ich mich erst wehrte, dann aber doch mitten drin steckte. Ergebnis war, wie ich es schon wusste, dass ich den restlichen Abend und naechsten Tag schlecht drauf und nachdenklich war.
An den folgenden Abenden folgten weitere Gespraeche ueber andere Themen, und er holte mich erfolgreich wieder aus dem Tief heraus (mal wieder ohne es zu wissen).
Er stellte genau die richtigen Fragen, die man zum Abschluss einer solchen Zeit braucht, ohne sie selbst formulieren zu koennen. Es ist so erleichternd und erfrischend, sie von einem anderen zu hoeren!
Ich konnte ueber vieles nachdenken, mit einigem, was mir noch auf der Seele lag, abschliessen und mir viele schoene Dinge wieder in Erinnerung rufen.

Er sagte inspirierende Dinge, die ich noch nie von einem anderen Menschen gehoert habe, und zeigte seine echt beeindruckende Einstellung - und das mit 19.
Ich bin selten so beeindruckt gewesen von einem Menschen!

Zum Abschied umarmten wir uns lange und ich stieg mit dem guten Gefuehl in das Taxi zum Flughafen, alles, was irgendwie mit dieser Reise zu tun hat, richtig gemacht zu haben.


Es ist gut, zum Abschluss wieder in Perú zu sein. Erst verfluchte ich mein Hamburg-Lima, Lima-Hamburg Flugticket, das ich eigentlich schon vor laengerer Zeit aendern wollte. Auskunft des Nordenhamer Reisebueros: geht nicht; Auskunft des Continental-Bueros: waere doch gegangen. Haeh?
Jetzt freue ich mich weniger darueber, in Lima zu sein, als mehr ueber meine zwei Tage in Perú, in denen mir so viele Erinnerungen an die Zeit in Arequipa und die Reisen durch Perú kommen.
Irgendwie fuehlt sich die trockene, heisse Limeñer Luft auf der Haut an wie die Arequipeñer, es riecht hier auch so (das liegt vielleicht auch nur an den Abgasen...?), gehe ich an offenen Kneipentueren vorbei, riecht es nach dem Killa, sehe ich die typischen kleinen Tico-Taxi-Autos, denke ich an die von gelben Taxen ueberflutete Stadt Arequipa, ich kann wieder Ceviche, Rocoto und all die typischen Gerichte auf Restaurant-Schildern sehen, "Cerveza Cristal"-Schilder lassen mich an die Fussball-WM denken, die hier von der Marke gesponsort wurde.

Ich sitze im Taxi und bekomme ploetzlich durch irgendetwas genau DAS Gefuehl, das ich in der damaligen Situation auch hatte. Meist ist es nur etwas belangloses, aber das damit verbundene Gefuehl ein sehr schoenes, entscheidendes. In dem Moment, in dem ich automatisch versuche, es zu fassen und zu halten, verschwindet es wieder. Und dann schaue ich um mich oder ueberlege und ich weiss, durch welches Detail es ausgeloest wurde. Dann wundere und freue ich mich gleichzeitig... da ich nicht wusste, dass mir dies so wichtig war und mir ueberhaupt solch schoenen Gefuehle bringen kann.

Durch diese Situationen faellt mir auch auf, wie sehr sich alle Laender, in denen ich war, voneinander unterscheiden. Unterschiede, die ich anfangs in Perú nicht geahnt haette, da ich ja nur Perú kannte. Und jetzt, nachdem ich etwas von drei weiteren Laendern kenne und hierher zurueck komme, merke ich, wie sehr ich Perú mag und wie sehr sich diese sechs Monate in Perú und all die Erlebnisse wirklich tief in mir befinden.

Ich genoss es ausserdem total, mit allen netten Taxifahrern zu quatschen und allen zu erzaehlen, dass ich bald nach Hause fliege! Das gleiche gilt fuer Hostelbekanntschaften: Alle reagieren mit einem "wow, seit 10 Monaten schon? Ja, da wuerde ich mich auch freuen".
Ich fuehl mich ein wenig wie der alte Reisehase hier, hach ist das witzig:)!

Es ist gleich 18.00, in 7 Stunden startet der Flieger. Ich geniesse diese Wartezeit total und noch mehr werde ich die Zeit im Flugzeug geniessen.

Ich moechte wie immer, wenn ich auf Reise bin, so wenig wie moeglich schlafen, um so viel wie moeglich von der Vorfreude und diesem Gefuehl "im nichts" mitzubekommen: Nicht nur zwischen zwei Kontinenten und in keinem Land zu sein, sondern auch auf dem Weg von einer Welt in die andere, und gleichzeitig mitten in der einen, einzigen grossen.

Donnerstag, März 08, 2007

Erinnerung an warme Zeiten

Cocktails trinken mit Lucy und Paul, einem franzoesischen Paerchen, und Paul, Chilene, in Jericoacoara, Brasilien
Ein chilenischer Freund sendete mir gerade eine E-Mail mit diesem Foto, um das ich ihn nach unserem Aufenthalt in Jericoacoara, einem Strandort Brasiliens, gebeten habe.

Etwas verspaetet, aber es koennte nicht besser passen!

Heute nacht geht mein Flug nach Lima, von dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Houston, Texas, direkt im Anschluss nach New York. Dort habe ich 5 Stunden Aufenthalt, bevor es weiter nach Hamburg geht.
Die Air Condition des Flugzeugs gewoehnte mich auf dieser Endlosreise hoffentlich schon etwas an die Kaelte...oder trieb mir die letzte Erinnerung an die Hitze aus, die in den letzten Monaten regelmaessig bei Verlassen der Kuehlschrankbusse und -flugzeuge auf mich einschlug.

Denn: Ab Montag, 06.30 morgens, beginnen wieder kalte Zeiten! 5 Grad Celsius in Norddeutschland, war das nicht so? Ich will es einfach gar nicht wissen!

Und wenn ich mich dann zurueck sehnen werde nach tropischer Hitze und Bikini-Rock-FlipFlops-Outfit, schaue ich mir einfach dieses Foto und unzaehlige weitere an...

Montag, März 05, 2007

Nur mal so aufgefallen.


Dieser komplett abgas-verrusste schwarz-haessliche Klotz ist unglaublicherweise die Kathedrale Fortalezas (einer Stadt im Norden Brasiliens, in der ich nur einen Tag war, weil sie irgendwie...naja, ein bisschen so wie diese Kathedrale ist).

Ihr haettet mal sehen sollen, wie sich diese beiden harten Jungs am Strand aufspielten. Suess fand ich, dass sie danach wie die kleinen Jungs mit Strohhalm aus ihren Cola-Doeschen schluerften...
Der Busterminal in Puerto Iguazu, Argentinien. Ich will mich auf den Weg nach Buenos Aires machen, mein Rucksack ist bereits im Bus. Fuer eine 17-stuendige Busfahrt brauche ich viel Wasser, also ueberquere ich noch schnell die schmale Strasse, die ihr auf dem Bild seht, bis zu den Geschaeften auf der anderen Seite. Einer der Maenner in weiss stoesst einen schrillen Pfiff mit seiner Trillerpfeife aus, alle schauen. "Hey, ueberqueren ist hier verboten, dafuer musst du wieder durch das Gebaeude vorne heraus und die Bruecke 300 m weiter benutzen!". ??? Um einen Bus auf dieser schmalen Strasse zu uebersehen und selbst in diesem Fall nicht mehr schnell auf die andere Seite rennen zu koennen, bevor einen der im Schrittempo fahrende Bus ueberrollt, muss man schon taub, blind und lahm sein. Ich kaufte mein Wasser, und nahm fuer den Rueckweg den selben Weg, logisch. Natuerlich wurde ich wieder schrill hallend angepfiffen und rief ein schnelles "Disculpa, no entiendo español!";). Auf der anderen Seite wurde ich von einem Backpacker mit einem "Pass auf, gleich bekommst du noch einen Strafzettel" begruesst. So ein Bild koennte ich von vielen "Panaderias", Baeckereien, schiessen - ob in Peru, Bolivien, Brasilien oder Argentinien. Suedmaerikaner stehen unheimlich auf Suessgebaeck aller Art. Am liebsten Blaetterteig in allen erdenkbaren Formen und mit einer suessen Milchcreme, Schokolade, Sahne, Creme, Fruechten oder sonstwas gefuellt. Unglaubliche Vielfalt, wie soll man sich da entscheiden? Da ist ganz einfach! Es schmeckt naemlich immer ALLES GLEICH, von Suesskram ueber Torten und Brot.

"Vereint gegen die sexuelle Ausnutzung Kinder und Jugendlicher. Waehle 100 und zeige an. Mach in diesem Block mit!" oder irgendwie so. Werbeplakat in Brasilien anlaesslich des Karnevals und des Sextourismuses. "Mach in diesem Block mit" spielt auf die "Blocks", "blocos", an, die im Karneval die einzelnen Strassenumzuege bilden und fuer die Eintrittskarten erworben werden koennen. Mit diesen Karten kann man direkt hinter der Gruppe in einem abgesperrten Bereich mitlaufen und feiern. Finde ich super, dieses Thema mit dem Wahn des Karnevals zu verbinden und den Plakaten so mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen!

Aussenwandgestaltung zwei Reihenhaeuser in Olinda

Sonntag, März 04, 2007

Rio de Janeiro

Ich habe euch zwar schon viel ueber Rio erzaehlt (noch nicht genug, das ist unmoeglich. Da ich aber ja ganz gerne mal erzaehle, kann ich das bald zuhause noch nachholen;)!)
Jetzt zeige ich euch ein paar Bilder aus meiner Zeit in Rio... in der kleinen Sammlung fehlen leider noch die Karnevals- und Fussballaufnahmen, zweifelsohne die Highlights. Diese kann ich fruehestens in drei Wochen von einem Reisebekannten, der in Oldenburg wohnt, bekommen.

Wie schon erzaehlt, begann alles mit meiner ploetzlichen Planaenderung nach dem Karneval in Olinda. Meine letzte Aussicht auf den Norden Brasiliens ist diese: Vom Flughafen auf die Stadt Recife.
Angekommen in Rio, ist dies hier tatsaechlich eine der ersten Anblicke, die ich von dieser Riesenmetropole erlebe. Wie kommt denn sowas? Ja, Rio hat einen Stadtregenwald, die Lungen Rios! Der Lonely Planet behauptet, es sei der letzte Teil vom urspruenglich mal ueberall an der Kueste wachsenden Regenwald. Unser Guide sagte, es sei nur Sekundaerurwald, da der Primaerwald zu Zeiten des Kaffeebooms fuer mehr Plantagenflaechen komplett abgeholzt wurde. Der jetzt wachsende Jungle waere von zwei Maenner zu Fuss und per Hand neu angepflanzt worden. Um alle Samenkoerner zu verteilen, waren sie 13 Jahre unterwegs...

Bei Ankunft im Hostel im beruehmtesten Stadtteil Ipanema lernte ich direkt zwei nette deutsche Brueder kennen - Tobias und Sven, der in Oldenburg studiert. Beide waren auf dem Sprung zu einer gefuehrten Tour durch den Stadtregenwald, einige Stadtteile und die Christo-Statue. Es stellte sich als viel guenstiger und wegen netter Begeleitung auch viel besser als die Besichtigung aller Dinge einzeln heraus, so war ich sofort dabei. Obwohl ich im kuehlschrankkalten Flugzeug in der Nacht fast nicht geschlafen habe und morgens noch 2 Stunden auf einer harten, aber HARTEN, Flughafenbank schlief, da um 5 in der Nacht noch keine Busse ins Zentrum fuhren, war ich hellwach!
Rio machte mich wach!

Aussicht vom "Piedra Bonita" auf Rio de Janeiro, den wir in einem 45-minuetigen Trek durch den Regenwald erklommen. Aus dichtem Gestruepp schwitzend ans Tageslicht zu kommen, und dann ploetzlich eine solche Aussicht vor sich zu haben, ist atemberaubend! Niemand ausser uns war hier, wunderschoen!
Sao Paulo ist die "Karrierestadt" Brasiliens, dort soll das grosse Geld sitzen. (Daher ist diese Stadt fuer Reiche so gefaehrlich, nach Kolumbien finden hier die meisten Entfuehrungen Suedamerikas statt). Die "Cariocas", Bewohner Rio de Janeiros, sind fuer ihre laessige, unbekuemmerte Lebensart und ihre Liebe zu Freizeit und Sport bekannt. In Sao Paulo gibt es deshalb diesen Witz ueber die Christo-Statue: "Warum steht der Christo die ganze Zeit mit ausgebreiteten Armen da? - Er wartet darauf, dass die Cariocas endlich anfangen richtig zu arbeiten, damit er klatschen kann."

"Hallo, winziger Zuckerhut!" sagt Chopin und denkt bei sich "Warum steh ich hier eigentlich versteinert in der "Baía da Guaranaba" herum?" (Die Chopin-Statue war ein Geschenk Polens an rio de Janeiro. Aber warum?)


Seilbahn zum Zuckerhut... den ihr im Hintergrund seht.
Sonnenuntergang vom Zuckerhut aus

Vorne teure Luxusyachten in der Bucht, hinten auf dem Gipfel die Christo-Statue ueber Rio
"Alt und Neu gegenueber" - kleiner Nachmittagsbummel durch die Altstadt Rios
Das Kulturzentrum Rios - aufgebaut, benannt und komplett finanziert von einer Bank, der "Banco do Brasil". Gute Sache.
An meinem letzten Tag in Rio kurz vor Abfahrt meines Busses nach Iguazu lief ich schnell die wenigen Blocks von meinem Hostel zum "Ipanema beach". Ich hatte im Norden schon so viel Strand, dass ich es hier nicht brauchte - und Rio hat ja sonst viel mehr zu bieten. Ich schoss schnell dieses obligatorische Foto und war in 2 Minuten wieder verschwunden:). Danach kam ich mir ein bisschen albern vor. Ich habe aber die Hoffnung, dass es noch alberner gewesen waere, in Rio zu sein ohne wenigstens einmal den Strand selbst betreten zu haben.

Iguazu

Die Wasserfaelle des Flusses Iguazu, durch die Staatsgrenze geteilt in brasilianische und argentinische Seite, sind die größten Wasserfälle der Welt. Der Großteil der Fälle liegt auf argentinischem Staatsgebiet, von wo ein Zugang bis zum spektakulären "Schlund des Teufels" (Garganta del Diablo) besteht. Auf der Gesamtbreite der Fälle von etwa 2.700 m stürzen durchschnittlich 1.700 m³/s, nach längeren Niederschlägen bis zu 7.000 m³/s, in zwei Stufen bis zu 75 m hinab.
Dies ist der groesste aller Wasserfaelle von Iguazu...der Gargante del Diablo!
Eine Sage der frueher in diesem Gebiet lebenden Indianer erzaehlt eine Liebesgeschichte, deren maennliche Hauptfigur durch seine Liebestaten den Zorn der Geotter auf sich zog. Diese schufen daraufhin die riesige Schlucht mit Wasserfaellen und verwandelten ihn zur Strafe in einen Stein, der jetzt Tag und Nacht am Fuss der Garganta del Diablo vom Wasser gepeinigt wird.

Blick auf die Garganta del Diablo mit Regenbogen, der sich im kompletten Halbkreis unter der Aussichtsplattform durchzog.
Der einzige Gedanke, der witzigerweise bleibt, ist: "Wow, viel Wasser". Diese intelligente Bemerkung hoert man auch oft, wenn andere sich unterhalten oder man im Smalltalk Leute fragt, wie sie Iguazu fanden: "Wow, Viel Wasser, oder?!"
Mit Worten laesst sich kaum erklaeren, wie GEWALTIG und laut das Wasser den Abhang hinuntertost. Ich versuchs lieber gar nicht erst...


FLOPP! Ein aufgepumpter Tucan im Vogelpark Iguazu
Um die Wasserfaelle herum schuetzt ein Nationalpark die Artenvielfalt der Region, sogar Wildkatzen leben hier. Ein bisschen wie in einem kleinen Paradies, noch nie habe ich frei in der Natur so viele verschiedene, bunte Schmetterlinge gesehen!
Schoen ist der gelbe Schein der Fluegel dieses Schmetterlings auf dem Holz
Hola! Seht ihr den Schmetterling ueber die Pflanze schauen?
Ich weiss noch gar nicht, wie ich bald im Alltag leben kann, ohne staendig drinnen wie draussen ueberall Geckos sitzen zu sehen!
Da hat jemand was vergessen... scheint eine praechtig grosse Schlange gewesen zu sein.

Das Bild musste auch sein! Spaetestens fuer die Zeitung sinnvoll:)
Oft wird gesagt, die argentinische Seite sei schoener als die brasilianische. Von Brasilien aus erhaelt man definitiv den besseren und schoeneren Ueberblick, waehrend man in Argentinien naeher an die Garganta del Diablo kommt und eindrucksvoller die wahre Groesse und Wassermenge sehen und hoeren kann.
Die brasilianische Seite gefiel mir besser, das lag allerdings weniger an den Faellen als mehr am Drumherum. Brasilien baute ein interessantes Museum auf seine Seite, das wesentlich besser als das Argentiniens ist. Auch der Park ist professioneller organisiert, irgendwie schoener. Ausserdem ist die brasilianische Seite guenstiger. In Argentinien wird einem von JEDEM Backpacker eine Bootsfahrt unter die Faelle mit den Worten "GEIL!" ans Herz gelegt. Die Fahrt kostet stolze 15 Dollar, aber ich dachte mir den beruehmten Gedanken "naja, wenn man schonmal da ist". Und erlebte die letzte Abzocke auf einer 11-minuetigen Plaetscherfahrt ein bisschen auf dem Wasser herum und dann unspektakulaer am Ende mal schnell unter den Wasserfall damit alle nass werden und kreischen und sich freuen. Da ich am Abend zuvor in dem wahrscheinlich groessten Hostel der Welt schon am BBQ fuer 19 Pesos (7 Dollar) teilnahm, das ebenfalls "leicht" ueberteuert war fuer die schlechte Qualitaet, war ich ploetzlich angepisst vom argentinischen Teil und erzaehlte ejedem, dass Brasilien doch sooo viel besser ist... Tja, so beeinflussbar ist doch die Meinung von so manchen Erlebnissen.
Aber Inguazu insgesamt war wirklich beeindruckend und superschoen!

Freitag, März 02, 2007

Plaene

Hey Ihr Liebsten!

Ich habe in der letzten Zeit, vor allem im Karneval, superviele nette Menschen kennen gelernt. 9 Monate lang traf ich nie eine Person, die auch ihren Job gekuendigt hat um etwas zu aendern oder einfach, um Zeit fuer Reisen zu haben. Und ploetlich haeuften sich diese Bekanntschaften. Viele nahmen sich auch einfach eine 6-monatige Auszeit vom Job, um auf Reise zu gehen.
Und mir wurde mehr als zuvor klar, dass dies nicht mein einziges Mal sein wird.

Man laesst sich ja immer von Reiserouten anderer inspirieren, wenn sie besonders interessant sind. Ich traf viele Menschen mit ganz besonderen Laendern auf ihren Reisewunschlisten und liess mich anstecken!
Mal ein anderer Kontinent, andere Kulturen, neue Menschen und Sprachen. Europa? Deutschland?
Abwechslung belebt die Fantasie, und meine setzte sich ploetzlich in Gang..."wie waere es wohl, wenn..."
Ich aenderte ein wenig meine Reiseroute und buchte einen Flug.

Am Sonntag den 11. Maerz um 7.00 morgens lande ich am Hamburger Flughafen und wuerde mich freuen, diejenigen, die Lust haben, dort zu treffen und anschliessend froehlich ein typisch deutsches Fruehstueck zu haben.

Meine Reise ist trotzdem nicht zu Ende. Das wird sie auch nie sein.

"Auf eine glueckliche Reise folgt eine zweite, und auf eine zweite glueckliche Reise folgt eine dritte, und ..."
aus Moby Dick

Eure Carina

Mittwoch, Februar 28, 2007

Carnaval

Karneval war ein geiles Erlebnis, und alles in allem komplett anders als ich es mir vorgestellt hatte. Warum, weiss ich im Nachhinein gar nicht mehr! So wie man manchmal, nachdem man einen Ort kennen gelernt hat, gar nicht mehr sagen kann, wie er vorher in der Vorstellung ausgesehen hat, weil man nur noch das neue Bild im Kopf hat.

Die drei wichtigsten und bekanntesten Staedte des Karnevals in Brasilien sind Rio de Janeiro, Salvador und Olinda bei Recife.

Karneval ist vollkommen unterschiedlich in allen Bereichen des Landes und somit auch in diesen drei Hochburgen.

Hier kommt ein bisschen was ueber den Karneval in den drei Staedten, wenns eudch nicht interessiert, einfach scrollen...


Rio de Janeiro
Der Karneval von Rio erreicht seinen Höhepunkt in einem zweitägigen Umzug, der im "Sambódromo", einem in Form einer Tribünenavenue errichteten Karnevalsstadion, stattfindet. Während eines Jahres bereiten sich in den "Escolas de Samba" Tausende auf dieses Ereignis vor: Musik, Tanz und Formation werden immer wieder einstudiert, Themen diskutiert, Texte geschrieben, Lieder komponiert, Allegorien hergestellt, Kostüme entworfen und geschneidert. An den Umzugstagen präsentiert jede der grossen "Escolas" zwischen drei- und sechstausend Menschen im Sambódromo. Der Umzug ist wie eine Fussballliga in eine erste, zweite und dritte Division geteilt, mit Auf- und Abstieg. Eine Jury aus Punktrichtern beurteilt nach einem akribisch festgelegten Kriterienkatalog Originalität, Rhythmus, Choreographie, Tänzer, Kostüme, den Allegoriewagen und das Sambathema. Jede "Escola" hat wie ein Fussballklub "Torcedores" (Anhänger). Prestige kann eine Sambaschule gewinnen, wenn sich Prominente zu ihr bekennen oder in ihren Reihen tanzen.
Das Zusammenspiel aller Teile ist neben der peniblen Einhaltung des Zeitlimits für den Erfolg massgebend. Die Namen der Sambaschulen gehen in der Regel auf die Stadtteile, aus denen sie stammen, zurück. Es handelt sich dabei nicht um die Viertel der Reichen, sondern eher um die der Mittelschichten, der kleinen Leute und der umliegenden "Favelas" (Armenviertel).


Bahia - Salvador da Bahia
Salvador ist das Zentrum des grössten Strassenkarnevals der Welt. Von Mittwoch bis Aschermittwoch wird durchgetanzt nach dem Rhythmus der zahlreichen, auf ungetümen Lautsprecherwagen spielenden "Trio Eléctricos" - besonderes Kennzeichen des bahianischen Karnevals. Anders als in Rio, wo die meisten Veranstaltungen in Clubs organisiert sind und die Karnevalsschulen durch ein Stadion ziehen, findet das Spektakel in Salvador fast ausschliesslich auf der Strasse statt. Geschichtlich gesehen ist der bahianische Karneval schon getrennt entstanden, so der Dichter und Forscher Antonio Risério. "Auf der einen Seite der "weisse" Karneval der Salons mit Bällen in geschlossenen Clubs, wo Quadrillen und Walzer getanzt wurde. Auf der anderen Seite der Karneval der Schwarzen, der Karneval der Strasse, zum Samba der Batuques, zwischen Muscheln und Rasseln". Seither hat sich einiges geändert. Dennoch bleiben auch im Strassenkarneval Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft innerhalb der einzelnen Gruppen unter sich. Einzige Ausnahme ist zur Zeit Olodum, der auch bei der weissen Mittelschicht in Mode gekommene Afro-Block.


Pernambuco (mit Hauptorten Recife und Olinda)
Die dritte Karnevalshochburg von Brasilien liegt in Pernambuco. Es ist einer der ursprünglichsten und authentischsten Karnevals Brasiliens. Er begnügt sich nicht mit den drei herkömmlichen Karnevalstagen, sondern erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens zehn Tagen. Nirgendwo sonst beweist der Karneval eine solche Vielfalt an Traditionen, basierend auf indianischen, afrikanischen und europäischen Riten. Schrill spielen die Bläser die immer gleiche Melodie, diesen Ohrwurm, den nach einer halben Stunde Karneval garantiert jeder nachsingen kann. Der Ohrwurm ist ein "Frevo" und klingt wie Polka- und Cancanmusik gleichzeitig. Frevo tanzt sich vorwiegend in der Hocke, unterbrochen von akrobatischen Sprüngen. Dazu schwingt der Könner ein kleines aufgespanntes Schirmchen über dem Kopf, um das Gleichgewicht zu halten. Was der Samba für Rio, ist der Frevo in Recife und Olinda. Durch die engen und steilen Gassen Olindas, die "Ladeiras", bewegen sich noch Umzüge ohne die üblichen Lautsprecherwagen und ohne die obligatorischen Sambaklänge. Neben dem Frevo bestimmen Blasorchester mit Tumbas und Posaunen das Bild sowie rurale afrobrasilianische und indianische Tanz- und Spielgruppen wie die farbenprächtigen Maracatús,
Bumba-meu-bois und Caboclinhos. Die "Chocalo"-Glocken der Kostüme der Männer wiegen über 45 Kilo, und die Frauen in diesen Blocos tragen reich bestickte Brokat-Kostüme. Das närrische Treiben ist voller Magie, Folklore und Phantasie und repräsentiert mit Sicherheit den eigenartigsten Strassenkarneval Brasiliens.


Mein Karneval
Ich entschied mich fuer den Karneval in Olinda, da hier wie beschrieben der Karneval am authentischsten und privatesten ist. Die Stadt ist klein und ueberschaubar, alles zu Fuss erreichbar. Ich mag keine Menschenmassen - wenn ich mitten drin stecke. Ich mag mich auch nicht betatschen lassen im dichten Gedraenge nach verstecktem Geld oder einfach, weil ich eine Frau bin, und da ich als Alternative auch nicht viel fuer den Eintritt in die sicheren Karnevalsbloecke in Salvador (sowie fuer den Eintritt in das Sambastadion in Rio) zahlen wollte (100 - 1000 Reais pro Tag!), erschien mir Olinda perfekt.

Die Jugendherberge versprach mir ein 4-Bett-Zimmer... das sich mitten im Karneval ploetzlich in ein knallenges und sauheisses 8-Bett-Zimmer verwandelte.

Das ganze Hostel war voll - nicht nur Gringos, auch viele Brasilianer. Sofort waren wir eine grosse Gruppe, in der jeder mit jedem feiern konnte. Das Hostel bestand aus mehreren kleinen Haeusern, die einen Pool und eine grosse ueberdachte Flaeche mit Kueche, Tischen und vielen Haengematten umzingelten. Perfekt fuer Chillen und Party! Ich weiss nicht, wie viele Caipirinhas und Capetas (das Zeug macht munter - aus Schokolade, Cachaca oder Vodka, "Amazonaskoffein" Guaraná und Milch!) ich in den 5 Tagen Karneval trank... es waren viele! Morgens ging die Party auf den Strassen bereits los: Umzuege ueber Umzuege, zu Frevo und afrikanischen Trommelschlaegen tanzende Menschen ueberall.

Olinda ist der bisher heisseste Ort in Brasilien, sogar heisser als der Amazonas. Fuer uns Ungeuebten eine schwere Aufgabe... so konnten wir echt nicht jeden Tag komplett wie die Einheimischen durchhalten, sondern hoechsten 3 Stunden mitlaufen und anschliessend wieder im Pool verschwinden. Aber die Zeiten tagsueber in den Paraden waren die schoensten. Das Symbol des pernambucischen Karnevals ist ein bunter Regenschirm, mit dem auch getanzt wird.

Natuerlich waren wir voll ausgestattet mit Regenschirm, Regenschirm-Ohrringen und Oberteil sowie Blumenketten und Spruehschaum (wie die Kinder!)!

Abends ging die Party dann weiter mit grosser Hauptbuehne auf dem Platz und Bands.

Waehrend des Karnevals denkt glaube ich niemand je daran, dass die Zeit einmal enden koennte. Von mir aus haette es einfach so weiter gehen koennen, und irgendwie bin ich auch wirklich davon ausgegangen. Als es ploetzlich hiess "Morgen ist letzter Tag" (und ich an dem Tag auch noch den Kater meines Lebens hatte), konnte ich es kaum glauben!

Als ich dann einen Tag nach Karnevalsende morgens auf die Strasse trat, glaubte ich meinen Augen und Ohren kaum. Die Strassen waren leer und alles war ruhig! Wie seltsam einem diese Stille ploetzlich vorkam. Unglaublicherweise war fast alles wieder sauber!

Am spaeten Nachmittag sah Olinda aus wie vorher, und auch Recife, das ich auf meinem Weg zum Flughafen sah, war sauber bis in die letzte Ecke (nagut, in der lag manchmal noch ein riesiger zusammengefegter Muellhaufen herum). Karnevalsgeuebt und gut organisiert, die Brasilianer!
(Fotos vom Karneval kommen erst spaeter, ich finde mein Kabel nicht)
Eigentlich wollte ich nach dem Karneval nach Salvador. Meine Freundin Ellen, Brasilianerin, mit der ich vorher schon in Praia da Pipa und Joao Pessoa war, wohnte dort den Karneval ueber bei einer Freundin und lud mich ein.

(Uebrigens wollte auch sie den Karneval eigentlich mit mir in Olinda verbringen. Dieses verrueckte Huhn ist aber so Salvador-karnevalssuechtig, dass sie jedesmal, wenn sie Salvador-Musik hoerte, Gaensehaut bekam und Traenen in den Augen hatte, so dass ich sie letztendlich ueberzeugte, doch nach Salvador zu fahren). Sie sagte: Man wisse ja nie, ob sie nicht naechstes Jahr verheiratet waere, und ab dann gaebe es keinen richtigen Karneval mehr im Leben, denn zum Karneval gehoert Kuessen Kuessen Kuessen!

Irgendwie war mir ploetzlich nicht mehr nach Salvador und langen Busfahrten bis in den Sueden. Irgendwie geschah das gleiche wie im Norden Perús, als ich ganz spontan nach Iquitos flog: Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Noch dazu hatte ich das Gefuehl, dass mein Geld mir einfach so zwischen den Fingern durchrinnt, und wenn ich auf mein Konto schaue und mir ueberlege, wo ich davon noch mit hin moechte (zum Beispiel zurueck nach Lima, weil ich von dort ja fliege)...hui. Und dann... ja, kam auch ploetzlich so eine grosse Freude auf Zuhause auf. Wie ich sie vorher noch nicht hatte. Alles in allem hatte ich also den dringenden Verdacht, dass ich einfach sehr schnell raus muss aus dem momentan teuren Brasilien. Und vorher noch Rio de Janeiro, damit ich ENDLICH mal dort bin und Iguacu.

Also entschied ich mich, alles zu kippen, auch wenn es wahrscheinlich sehr schade ist und ich mich sicherlich irgendwann fragen werde, warum ich das verdammt nochmal getan habe. Aber mit solchen Gedanken kann man ja keine Entscheidungen treffen im Leben (ha! Und das von mir, der schnellsten und sichersten Entscheidungstrefferin des Jahrhunderts!).

Also habe ich am Flughafen das Schnaeppchen meines Lebens geschossen: das Flugticket von Recife nach Rio.

(Rio wird hier uebrigens Hio ausgesprochen, die Brasilianer rollen eh total selten das 'r', forró, ein Musikstil aus dem Nordosten, wuerde im spanischen stark gerollt werden, wird hier aber fohó gesprochen. Perfekt eigentlich fuer mich, da ich das 'r' ja immer noch nicht rollen kann!)

Am naechsten Morgen landete ich bereits in Rio und hatte hier eine der geilsten Zeiten der Reise ueberhaupt.

Ich lernte supernette Menschen kennen und meine Tagen waren voller spannender Aktivitaeten.

Ein Highlight: Die Karnevalsparade!

Karneval in Rio ist zwar schon vorbei, aber die sechs Gewinner-Sambaschulen veranstalteten am Samstag eine letzte Parade durch das Sambódromo!
Perfekt!

Nachdem ich in Olinda natuerlich ueberhaupt nichts von dem Karneval, den wir aus dem TV kennen, gesehen habe, war es jetzt umsomehr soweit.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie grossartig, kreativ, glitzernd, witzig, ausgefallen, schoen die Kostueme der Sambaschulen waren! Und die Musik...und die Sambataenzerinnen...wie kann man denn bitte SO mit den Hueften wackeln?

Wow! Ich haette anfangs nicht gedacht, dass ich von 21.00 bis 4:30 nachts durchhalten kann. Aber jede Sambaschule ist anders, hat ihre eigene Musik und begeistert aufs Neue. Jeder tolle Wagen, jedes tolle Kostuem bringt wieder ins Staunen, keine Chance, muede zu werden!

Ach, was rede ich hier, ich muss euch einfach mal Bilder zeigen.

Ich hatte meine Kamera nicht mit, dafuer ein Oldenburger, mit dem ich dort war. Die Fotos kann ich mir also erst in Deutschland in Oldenburg abholen, aber dann lade ich noch die besten Bilder hoch.

Das zweite geniale Erlebnis war Fussball, Halbfinale zwischen zwei lokalen Mannschaften, Flamengo gegen Vasco.

Flamengo gewann im Elfmeterschiessen 1:3. Das Stadion war leider nicht voll, da die Tickets fuer dieses wichtige Spiel ueberteuert verkauft wurden. Immerhin waren trotzdem 70 % der Plaetze im drittgroessten Stadion der Welt belegt, was mehr als ausverkauft in vielen deutschen Stadien bedeuten wurde! Die Stimmung: geil, das Stadion bebte. Aber ich musste leider feststellen, dass die Flamengo-Fans absolute Erfolgsjubler sind. Wenn es zwischendurch schlecht lief, zum Beispiel in der gesamten zweiten Halbzeit und zu Beginn des Elfmeterschiessens, kam da nichts.

Dafuer, als es wieder gut lief und am Ende gesiegt wurde, umso lauter und heftiger!

Uebrigens wollte ich auch noch eine gefuehrte Favela-Tour machen, die die Frau im Hostel dann aber total verpeilt hat und deshalb fuer mich ausfiel. Wenn ich bald mal Zeit habe, schreibe ich euch sehr Interessantes ueber die groesste Favela Rios, "Rocinho".

Das wars erstmal!
Bin in Foz do Iguacu, 25 Minuten Busfahrt von Paraguay und Argentinien entfernt.
Ciaoi!

Montag, Februar 26, 2007

Reiseziele

Denkt an mich, ich gehe auf Mission! 22 Stunden Busfahrt nach Foz do Iguacu, um einige der schoensten Wasserfaelle der Welt zu sehen.

Wie Rio de Janeiro war auch Iguacu schon immer einer der wichtigsten Punkte meiner "Reiseliste" - gefolgt von Buenos Aires, wohin ich mich in weiteren 16 Stunden Busfahrt von Iguacu aus begebe. In Perú habe ich oft an meine folgende Reisezeit gedacht und dabei waren die Orte, dir mich am meisten gezogen haben, diese drei plus Amazonas. Unglaublich war fuer mich der Gedanke, irgendwann in den naechsten Monaten wirklich auf der anderen Seite des Kontinentes zu sein, an diesen Orten, von denen man schon so viel gesehen und gehoert hat, aber sich trotzdem nicht vorstellen kann, wie es sich anfuehlt, selbst dort zu sein.
Ihr habt bestimmt auch mehrere Orte auf der Welt, die ihr unbedingt mal erleben moechtet, und vielleicht wisst ihr nicht einmal genau, warum. Kuala Lumpur - mit 16 mein Lieblingsstaedtename und ich wusste noch nicht einmal, wo es liegt! Und vor 14 Monaten war ich endlich dort und war begeistert, vielleicht tatsaechlich einfach aufgrund der Tatsache, an einem Ort zu sein, der in meinen Gedanken immer irgendwie existiert hat und mit den wahrscheinlich wildesten Vorstellungen verknuepft war. Wie muss es sich wohl anfuehlen, in Rio auf dem Zuckerhut zu stehen und die Stadt, die sich wohl den schoensten Platz der Welt gesucht hat, bei Sonnenuntergang zu sehen? Jetzt weiss ich es: GEIL!
Genauso ging es mir schon im Amazonas - so unglaublich, endlich dort zu sein! Ich erinnerte mich ploetzlich daran, wie ich mir als Kind vorgestellt habe, im Dschungel zu leben, und wie schoen diese Vorstellung fuer mich war, schlafend auf weichem Moos, im Nieselregen (Dschungel ist ja feucht, also gibts wohl immer Nieselregen dachte ich mir), alles gruen um ich herum und BUNT - na, wegen der wilden Tiere und Papageien natuerlich, die ueberall sitzen.
Wirklich an einen solchen Ort zu kommen ist unglaublich und hinterher fragt man sich ploetzlich: "Wie habe ich ueberhaupt gelebt, ohne diesen Ort zu kennen?"
Meine Reise kommt mir momentan und im Rueckblick als eine Aneinanderreihung von alten Traeumen und Superlativen vor, und gerade jetzt geniesse ich jeden Tag.
Na, merkt ihr was? Ja, es naehert sich langsam dem Ende.
So, genug davon! Nun aber los!

Sonntag, Februar 25, 2007

RIO! KARNEVAL! FUSSBALL!

Hallo ihr Jecken!
Es gibt so viel zu erzaehlen vom Karneval und drumherum - die guten Partys in Olinda mit super Leuten, mein Spontanflug nach Rio de Janeiro (am gleichen Tag zum ersten Mal dran gedacht wie gelogen:)) und der "wow!"-Karnevalsumzug gestern nacht mit Rios sechs besten Sambaschulen!
Heute nachmittag bin ich uebrigens im beruehmten Maracanã-Stadion in Rio anzutreffen, dem drittgroessten und vielleicht bekanntesten Stadion der Welt. Halbfinale zwischen zwei regionalen Mannschaften, Flamengo und Vasco.

Meine Tage sind momentan so vollgestopft mit richtig geilen Aktivitaeten, dass ich keine Zeit habe zu schreiben geschweige denn Fotos hochzuladen. Bald kommt es hoffentlich, aber heute darf ich mich erstmal verabschieden mit folgender kleinen Belehrung:

Wie kuerzlich gepostet wurde, manchmal muss man einfach weit weg fahren, um das Naheliegende zu suchen... so muss man auch nicht gleich auf Suedamerika schauen, um Korruption zu finden... auch ein Kleinstaedtchen wie Nordenham gibt manchmal anscheinend genuegend Stoff... bin gespannt auf mehr Geschichten aus der Heimat!

Donnerstag, Februar 15, 2007

Vielleicht doch lieber nach Afrika?

Uebrigens bin ich gerade naeher an Afrika, als am Sueden Brasiliens! Unglaublich riesig, dieses Land.
Mit einer brasilianischen Freundin, mit der ich schon in Praia da Pipa im Apartement gewohnt habe, habe ich nach Pipa zwei Tage in João Pessoa verbracht. Diese Stadt ist wohl kurz davor, zur zweitgruensten Stadt der Welt gekuert zu werden - wie Werbung in der Stadt sagt. Es ist aber auch wirklich GRUEN GRUEN GRUEN! Oft fuehlt man sich eher wie im Dschungel, als in einer Stadt - bevor man zwischen all dem Gruen wieder ein modernes Hochhaus entdeckt. Schoen, sauber, freundlich, untouristisch wuerde ich João Pessoa beschreiben. Mit wunderschoenen Korallenriffen, die man von natuerlichen Pools beschnorcheln kann. Waehrend unseres Aufenthalts leider nicht moeglich - das Wasser stand zu hoch!
10 km naha der Stadt liegt der Punkt "Ponta do Seixa", der die oestlichste Spitze beider Amerikas bildet.

Fotos kommen bald!

Kurze Nachricht: Heute um 19.00 geht es los, hier in Olinda beginnt um diese Uhrzeit mit einem Umzug offiziell der 5-taegige Karneval!
Das ist 23.00 bei euch in Deutschland.
Hey!

Schaut euch das an und ihr werdet suechtig...und ihr werdet nie wieder einen langweiligen Pauschalurlaub unternehmen koennen...ja, euch bleibt keine andere Wahl, als etwas NEUES zu testen...DIESE Form des Reisens!

Bis bald auf einem neuen Abenteuer!
Viel Spass beim AUSREIS(S)EN!

(Da ich fast die gesamte Bootsfahrt auf dem Amazonas und einige andere Abende mit Texten zugebracht habe, lege ich euch wirklich ans Herz, dies zu lesen. Und ausserdem ist´s natuerlich mehr als wert!)

Internetauftritt:
www.reiss-aus.com
Imagebroschuere: www.reiss-aus.com/broschuere.pdf

Sonntag, Februar 11, 2007

Gedanken

Es ist ja wohl als allseits angenommen zu bezeichnen, dass Menschen in den warmen Gebieten unserer Erde allgemein offener und lebenslustiger sind als Bewohner kaelterer Regionen, aber ich habe mir nie wirklich Gedanken darueber gemacht oder es ueberprueft.
(Es sei denn, ich wuerde zwei Sauf-Aufenthalte in Lloret de Mar in Spanien und zwei Wochen Hotelurlaub in Portugal mit 12 als "ich kenne die warmen Laender Europas" ausgeben.)
Und dass die Menschen in Malaysia unglaublich warm, interessiert, offen und superfreundlich sind, naja, das kann auch daran liegen, dass Malaysia in Asien ist und die Asiaten nunmal allgemein als ein superfreundliches Volk beschrieben werden.


So richtig mit dem Kopf vor die Unterschiede gestossen wurde ich erst in Iquitos, Perú.
Angebahnt hatte es sich schon, als ich durch den Norden Perús reiste, wo ich eine Offenheit fuehlte, die mir unbekannt vorkam... Irgendwie fiel mir hier schon auf, dass etwas anders ist.
In Iquitos erwartete mich dann der totale, aber positive, Kulturschock.
Natuerlich kam dazu, dass ich mich schon lange nach Waerme, Dschungel, irgendetwas, was nicht Anden ist (Abwechslung!), gesehnt habe. Ploetzlich befand ich mich also in einer ganz anderen Welt - die in Asien sein koennte.
Kinder in Iquitos sind so suess zum Anbeissen! Sie riefen mir auf der Strasse aus allen Ecken ein "Hola, Hola!" zu und freuten sich tierisch, wenn ich mich umdrehte und ihnen zuwinkte. Frauen laechelten mich an (nicht nur Maenner, wow!) und machten einfach so Komplimente: "wow, schoener Rock, Gringuita!".
Das Leben wirkt so leicht, entspannt und froehlich und ich fuehlte mich sofort wohlig aufgehoben in der Atmosphaere und in keinster Weise bedroht oder gefaehrdet.
Ist es die Hitze des Amazonas, die auf die Menschen wirkt?

Hier fiel mir erst auf, wie sehr ich dies vermisst hatte. Es war wieder so etwas ganz Neues, ueberraschendes - ich wusste gar nicht, dass es gefehlt hat, und war daher umso gluecklicher, es wieder zu erleben.
Iquitos war wie Malaysia fuer mich.


Superfreundlich und aufgeschlossen ging es weiter. Brasilianer sind einfach wow! Freundlich, hilfsbereit, haben immer ein Lachen bereit, wenn man ihnen eines gibt. Laecheln, die man in jedem Supermarkt, kleinen Geschaeft oder Bus bekommt sind wie Balsam auf der Selle eines Reisenden, wirklich! Ein scheiss anstrengender Tag, eine doofe Situation, in der man nicht so einfach wie frueher an die Information kommt, die man moechte, weil man portugiesisch nicht so gut versteht wie spanisch, all das wird so viel angenehmer durch einen freundlichen Menschen mit einem Laecheln, und ploetzlich weiss man wieder, warum man diesen schweren Rucksack durch ein fremdes Land schleppt.
Mir macht Brasilien so viel Spass!

Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass Menschen im Norden Perús freundlicher als im Sueden bzw. im Umkehrschluss, hoert sich noch schlimmer an, im Sueden unfreundlich sind. Der Sueden ist einfach verschlossener, schuechterner, das macht den ganzen Unterschied in der Wirkung auf Fremde.
So, wie Sueddeutschland als offener als die steifen, kalten Norddeutschen angesehen wird, und daher auf Fremde leichter, freundlicher wirkt.

Ich mag aber Norddeutschland - und ich mag Suedperú!
Ich habe dort Freunde und superviele nette Leute kennengelernt, und in den Situationen, in denen ich Hilfe brauchte, noch mehr Hilfe als ich dachte, erfahren.
Die erste Wirkung nach aussen kann keine Aussage ueber das Innere eines Menschen, ehrliche Hilfsbereitsschaft und Freundlichkeit machen.
Und oft denke ich mir, dass ich die Art eines Menschen, ihn erst "knacken", mit ihm erst warm werden zu muessen, bevor er fuer immer dein treuer und ehrlicher Freund wird, viel sympathischer finde.

Aber es ist die Wirkung auf Reisende, die ich momentan nur beschreiben kann, da ich an keinem Ort so lange bleibe, um das Leben und die Menschen wirklich verstehen und gut kennenlernen zu koennen.

Bisher kann an Verschlossenheit uebrigens kein Land fuer mich Bolivien uebertreffen. Wie wunderwunderschoen dieses Land ist, die traditionelle Kleidung, die Gesichter der indigenen Menschen, die aussergewoehnliche Landschaft! Aber wie verschlossen, schuechtern und "hart" ich viele Menschen dort erlebt habe.

Weil sie so arm sind, so viel leiden muessen, so ungluecklich, darauf warten, in Scharen ihr Land verlassen zu koennen, in dem sie nicht ueberleben koennen?
Aber es geht Menschen in Nordperu, im Amazonas, in Brasilien doch auch so.
Wo ist also der Unterschied, Kultur, Lebensstil?
Ist man ungluecklicher arm in einer kargen Steinhuette in der unbarmherzigen Kaelte der Berge als arm in einer Bretterhuette in der Hitze?

Ist jemand, der in der Kaelte der Anden lebt, so daran gewoehnt dass es ihm nicht ausmacht und er vielleicht nicht in der Waerme leben koennte? Lieber Kartoffeln und Quinoa als Fruechte?

Oder wuerde die Sonne jedes Gemuet so erhellen dass es sich automatisch froehlicher, unbeschwerter zeigt?

Noch etwas faellt mir auf.
So gut wie nie werde ich als blonde Gringa in Brasilien mit Machísmo konfrontiert. Irgendwie bin ich einfach da, aber oft auch total egal! Oft wird zwar schon geschaut, manchmal gestarrt, aber nicht halb so intensiv und aufdringlich. Liegt zum einen daran, dass es hier durch ethnische Einfluesse mehr blonde und helle Menschen gibt.
Auch Sprueche, zugeraunte Kuesse, ekelige Woerter, Pfiffe etc. hoere ich hier so gut wie nie.
Letztens ist es mir passiert, dass ein Mann mir irgendetwas im Vorbeigehen zuraunte, begleitet von Kussgeraeuschen, und da ist mir aufgefallen, wie seltsam ungewohnt es wieder ist!
In Perú (nicht in Arequipa, wenig im Sueden, dafuer uebrigens IMMER in Lima und oft im Norden) und oft in Bolivien verging kein Tag ohne, und irgendwie legt man sich mit der Zeit eine gewisse dicke Haut und Ignoranz dem gegenueber zu - sonst waere es auch unmoeglich, dort als Frau allein zu reisen.

Brasilien ist, ganz anders als ich mir jemals ausgemalt habe, ein superentspanntes, einfaches Reiseland - noch dazu fuer eine Frau alleine.
Vielleicht haette ich das nicht gedacht, waere ich direkt aus Deutschland als erstes nach Brasilien gekommen. Aber so bin ich schon an einiges gewoehnt und befinde mich hier scheinbar gerade im Reiseparadies!

Uebrigens wird im Lonely Planet der fehlende Machísmo so erklaert, dass durch den eh freizuegigeren Umgang mit Sexuellem Maenner daran gewoehnt sind und nicht das Beduerfnis haben, Ueberlegenheit ueber Frauen (besonders Gringas?) zu zeigen und zu beweisen, dass sie ja immer noch ein Mann sind und noch koennen.
Ob es das trifft?

Sehr sympathisch ist, dass Brasilianer freundlich sind, ohne direkt etwas zu wollen (verkaufen oder bekommen). Ich hatte mir in der Vergangenheit angewoehnt, immer vorsichtig zu sein, nie zu lange mit jemandem zu reden, wenn mir etwas sonderbar vorkommt, immer erst abzuchecken. Brasilianern geht es ja nicht unbedingt besser, trotzdem begegnen sie mir bisher anders.

Uebrigens...ihr duerft jetzt nicht denken, ich wuerde versuchen, ein Land, eine Bevoelkerung, Verhaltensweisen etc. zu verallgemein und zu be- oder verurteilen, ohne sie richtig zu kennen. Das sind nur Dinge, die mir so aufgefallen sind und mir durch den Kopf schiessen, und ehrlich, ich koennte noch viel mehr schreiben und erzaehlen, aber habe dabei immer Angst, dass es geschrieben nicht so herueberkommt wie ich es moechte, Menschen, die es lesen, falsche Ideen bekommen, und lasse es lieber sein.

Aber wenn ihr etwas dazu mitzuteilen habt - immer gerne her damit!

Freitag, Februar 09, 2007

Moby Dick

"Un libro es un pájaro con más de cien alas para volar."
"Ein Buch ist ein Vogel mit mehr als Hundert Fluegeln zum Fliegen."
Ramon Gomez de la Serna

(Habe das Zitat gerade an der Aussenwand eines Buch-Shops gefunden)

Eine wirklich lange Durststrecke ist ueberstanden! Vor einigen Tagen rettete mich Moby Dick aus meinem Schlamassel. Denn ohne Buch, noch dazu, wenn auch der MP3-Player seit 2 Monaten fehlt...(kaputt, nach Hause geschickt) ui.
Da MUSS man ja verrueckt werden vom ganzen Nachdenken!
Es ist also nur ein logisches Ergebnis der Umstaende, dass ich mich vor kurzem aus verschiedenen Gruenden fuer einige Zeit, die ich nicht genau definieren kann, in einem tiefen Reise-ich-weiss-nicht-was-ich-will-Loch befand. Gruende? Weiss ich nicht so genau, vielleicht muede, viel Zeit alleine, kleine mit den Monaten so in den Gedanken angehaeufte natuerliche Schwierigkeiten und Anstrengungen vom reisen ueberhaupt, Geld fast weg...koennten die Gruende sein. Aus dem Loch bin ich jetzt wieder hinaus, dank meiner Eltern und Henning. Die mich, wenn sie egoistisch waeren und nicht so sehr wollen wuerden, dass ich gluecklich bin, wohl jetzt schon wieder daheim haetten. Aber es ist alles nochmal gut gegangen, ich bin hier, und folgendes habe ich so deutlich wie noch nie zuvor gespuert:

Manchmal muessen andere dein Gedankenwirrwarrknaeuel fuer dich entwirren. Und die innere Einstellung beeinflusst die Dinge, die dir passieren.

Denn ab dem Morgen vor 1,5 Wochen an, an dem es mir wieder besser ging und ich voller Reisewille aufwachte, passierten mir nur gute Dinge, ich traf tolle Leute und hatte eine ausnahmslos GEILE Zeit. Ich bin fest davon ueberzeugt, dass das nicht moeglich gewesen waere, wenn ich weiterhin wie vorher herumgerannt waere.

Also, Moby Dick. Ueberrascht mich! In dem Book Exchange im Hostel liess sich kein anderes Buch in einer Sprache, die ich lesen kann, finden. Hollaendisch, schwedisch, hebraeisch ist bisher einfach nichts fuer mich. Also griff ich zu Moby Dick mit einer Mischung aus "Na, jetzt muss ich nehmen, was ich bekommen kann" und "Vielleicht ist dieser Klassiker es ja wirklich wert".

Ich haette nie gedacht, ein so anders schoen und intelligent geschriebenes Buch bekommen zu haben. Und zum Weglachen!

Und da ich bereits jetzt nach 200 Seiten so viele interessante, witzige und irgendwie neue oder einfach wahre Denkweisen gefunden habe, lass ich euch an einigen mal teil haben. Allen voran uebrigens noch das Kompassnadel-Zitat aus meinem letzten Blog!

Achso, da ich gerade das Wort "wahr" geschrieben habe, faellt mir noch etwas ein, was ich unbedingt loswerden wollte: Ihr muesste oft einfach Nachsehen mit meiner Sprache haben, schliesslich arbeite ich ja gerade nicht und denken vor dem Tippen ist mir oft auch einfach zu anstrengend...das Reiseleben fordert doch schon genug von mir:)!
Beispiel:
Zitat aus meinem Eintrag "Das Paradies und Mein erster Caiprinha"
"Das seltsamste an diesen Schiffsreisen ist, dass nicht dieses verrueckte Leben und Verhalten oder die Anderen hier fremd sind, sondern das einzige Fremde in dem Ganzen ICH bin!"

Zitat eines chilenischen Mitreisenden, fuer mich das wahrste, was man ueber das Leben an Bord (und Reisen allgemein!) sagen kann.

Das wahrste? Wahr, wahrer, am wahrsten?

So, und nun zurueck zu Moby Dick.


Der Erzaehler ueber seinen Seefahrerkameraden, der gerade mutig einen Matrosen aus dem Meer gerettet hat.
"War sich jemals einer seiner Taten so wenig bewusst? Er schien nicht dfer Meinung, dass er sich von der Vereinigten Gesellschaft der Menschenfreunde eine Rettungsmedaille verdient habe. Er bat nur um Wasser, frisches Wasser, etwas um das Salzwasser abzuspuelen; als er das getan hatte, zog er trockene Sachen an, setzte seine Pfeife in Brand, und an die Reling gelehnt, blickte er nachsichtig ueber die Leute um ihn her, als ob er bei sich sagte:
Die Welt ist unter allen Breitengraden ein Unternehmen auf Gegenseitigkeit."


"Um so mehr, sage ich, weil man an einem Zipfelchen seines Koerpers frieren muss, um koerperliche Waerme wirklich zu geniessen. In dieser Welt gibt es naemlich keinen Zustand, keine Eigenschaft, die nicht erst durch ihr Gegenteil zu dem werden, was sie sind. Nichts besteht an sich."


"Aber um wahre Philosophen zu sein, sollten wir Sterblichen vielleicht nicht bewusst danach leben oder streben. Sobald ich hoere, dass ein Herr Soundso sich selbst fuer einen Philosophen ausgibt, schliesse ich daraus, dass in seinem Leibe die Saefte stocken wie im Kochtopf jener melancholischen Alten, die das Ruehren vergass."


"Mich duenkt, wir haben die Frage von Leben und Tod gewaltig missverstanden. Mich duenkt, was man hier auf Erden meinen Schatten nennt, ist mein eigentlicher Stoff. Mich duenkt, wenn wir geistige Dinge betrachten, gleichen wir allzusehr der Auster, die durchs Wasser hindurch die Sonne anschaut und das dichte Element fuer duennste Luft haelt. Mich duenkt, mein Leib ist nur der Bodensatz meines reineren Wesens. So nehme meinen Koerper, wer mag; jawohl, nehmt ihn nur, er ist nicht ich. Und darum dreimal hoch, und gehe das Schiff zu Bruch, gehe der Leib zu Bruch, wenns so geschrieben steht - denn meine Selle brechen kann selbst Jupiters Blitzstrahl nicht."


"(Das aber tat er bestimmt mit der groessten Unverfrorenheit,) Und wie alle Welt weiss, bedeutet nach Ansicht der meisten Leute unverfroren handeln dasselbe wie vornehm handeln."


"Die verbindliche Geschaeftigkeit, mit der ein Mann Geld in Empfang nimmt, ist kaum zu fassen - wenn man bedenkt, dass wir doch in vollem Ernst glaiuben, Geld sei dir Wurzel alles irdischen Uebels und ein reicher Mann koenne um keinen Preis ins Himmelreich kommen. Ach, wie frohgemut ueberliefern wir uns selbst der ewigen Verdammnis!"


Und was ich nun vorhabe?
"Und bewundernd warf ich mich ans Herz des Meeres, das keine Spur bewahrt."
Genau das, und zwar mit einem Caipi! Ciao!

Dienstag, Februar 06, 2007

Gaestebuch

Zugegeben, die Idee ist geklaut, aber sie ist guuut!
Ich will es jetzt wissen: Fuer wen schreibe ich diese Seiten?
Alle bitte ins Gaestebuch eintragen! Und wenn euch etwas nicht gefaellt oder ihr bessere Ideen habt: schreiben!
Uebrigens findet ihr es rechts an der Seite unter Gaestebuch oder hier!
Sonnige Gruesse an euch!

delfine! dolphins! delfínes! golfinhos!


"Ist es vielleicht die magnetische Anziehungskraft der Kompassnadeln auf den vielen Schiffen, die die Menschen zum Meer zieht?"
Herman Melville, "Moby Dick"


Ich muss es eben schnell ohne grossartige Einleitung herausposaunen: Ich bin heute mit Delfinen im Meer geschwommen! Ich bin immernoch total verliebt!

Hier in Praia da Pipa, einem zum beliebten Touristenziel mutierten kleinen Fischerdoerfchen mit wunderschoenen Straenden gibt es eine Bucht mit dem vielversprechenden Namen "Praia dos Golfinhos" - Strand der Delfine.
Morgens um 10 soll die beste Zeit sein, Delfine auf ihrer Jagd nach Fischen in Strandnaehe zu beobachten. Unsere Information war, man haette nachmittags mehr Glueck... Aber es ist anscheinend auch total egal, denn nach vielleicht einer Stunde Herumplantschen im Meer und Buch lesen am Strand zeigten sich die ersten Tiere. So nah! Wir sind direkt ins Wasser gejumpt und so weit herausgeschwommen, bis wir in 4-10 m Entfernung hinter, vor und neben uns die Delfine aus dem Wasser auftauchen sehen konnten. Den ganzen Koerper, Wasser spruehend! Einmal sah ich drei Delfine gleichzeitig wie bei einer Show: Erst zeigte sich einer, dann der zweite, dritte, bis schliesslich alle drei ihren Ruecken und -Flosse zeigten und sehr langsam gleichzeitig wieder ins Meer tauchten. WOW!

Am Strand werden Bootstouren fuer 25 Reais (ca. 12 Dollar) verkauft, man wuerde 1 Stunde lang die Kueste entlanggurken und anschliessend vom Boot aus die delfine beobachten. Ha! dachten wir uns, latschten einfach selbst in 10 Minuten den Strand entlang zur Bucht, sprangen ins Wasser und waren viel naeher dran als die Bootsgaeste! Das nur mal als Beispiel dafuer, dass man 90 % aller Angebote gruendlich hinterdenken und einfach selbst durchfuehren kann...vor allem sollte natuerlich, wenn man auf schmalem Budget reist.

Ooooooooh es war sooooo schoen! Morgen gehts gleich wieder hin, um 10!

Uebrigens wohne ich hier in einem Apartement mit zwei Belgiern, zwei Chilenen und einer Brasilianerin. Die Belgier lernte ich in Canoa Quebrada kennen, dem letzten kleinen Strandort, in dem ich war. Dort wohnten wir bereits gemeinsam fuer 3 Tage in einem Apartement ausserhalb der Tourizone des Dorfes in dem urspruenglichen Teil, Canoa Quebrada, wie es frueher einmal war: ein ganz kleines, einfaches Fischerdoerfchen.
Wir hatten echt viel Spass zusammen, jeden Tag baden, baden, baden und Cocktails.

Einen Tag mieteten wir uns einen Sandbuggy, mit dem wir die Kueste entlangfahren wollten. Wir tankten fuer 50 Reais, fuhren in die Stadt, um Bustickets fuer den naechten Tag zu kaufen, danach an den Strand. Der Strand Canoa Quebradas ist gesaeumt von roten, hohen Sandduenen in den wildesten Formationen und unser Ziel war eine Riesenklippe, die wir weiter weg sehen konnten. Nach ca. 20 km Strandfahrt - die Jungs auf den einzelnen Sitzen, ich hinten auf dem Buggy - ging der Motor einfach aus und auch nicht wieder an. Benzin hatten wir noch, aber eventuell kein Oel? Oder Motor kaputt?
Kein Mensch weit und breit, und wir standen mit dem Buggy auf einem schmalen Strand, der zur Landseite von hohen Klippen begrenzt ist. 20 km zum Ort. In etwa einer stunde waere das Wasser bis zu den Klippen gestiegen und haette an den Klippen eine Hoehe von 1 m erreicht. Ups! Wohin mit dem Buggy? Wie zurueck kommen? ...Schieben! Wir schoben den Buggy also durch die Hitze, wussten auch nicht so richtig, ob wir lachen oder fluchen sollen. Immer wieder kamen wir an kleinen Haeusern vorbei und animierten alle Kinder und Jugendlichen, uns zu helfen. So schoben irgendwann 12 Mann den Wagen den Strand entlang.
Wir suchten eine Strasse, in der wir den Buggy abstellen, zuruecklaufen und Hilfe holen koennen. Die Strasse kam nicht.
Dafuer nach einer halben Stunde ein Schwarm Buggys von einem Ausflug zurueck, juhu!
Wir wurden bis nach Canoa zurueckgezogen und haben den Buggy natuerlich nicht gezahlt. ergebnis der Untersuchung war uebrigens, dass der Motor vollkommen hinueber war!

Spass hat es trotzdem gemacht und die Cocktails am Abend hatten wir uns wirklich verdient...

All diese kleinen Doerfer werden immer touristischer. Dabei kommt es natuerlich immer darauf an, wie sehr man sich in das Getuemmel stuerzen moechte oder doch lieber etwas abseits an den stillen Straenden relaxt und abends dann in die Strandbars zurueckkehrt. Aber hier wimmelt es nicht nur von Gringos! Etwa 50% der Touristen sind Brasilianer, die durch ihr eigenes Land reisen - ist ja auch riiiiesiggross und fast schon ein eigener Kontinent.
In Canoa lernten wir einen Hollaender kennen, der Riesengewinne mit dem Handel von Grundstuecken macht. Er kauft sie guenstig, klaert all die Rechtsangelegenheiten, bereitet alles nett auf und verkauft sie wieder an europaeische Investoren. Der Markt boomt:
Zwischen Fortaleza und Natal werden in den naechsten 5 Jahren 21 neue Hotelresorts gebaut.

Dabei ist sein Job nicht so einfach. Zwei Tage vor unserer Ankunft in Canoa mussten 10 Auslaender ihre Haeuser oder Hotels raeumen, da das Grundstueck, das sie vor einigen Jahren von einem Brasilianer erworben hatten, rechtmaessig gar nicht ihnen gehoerte. Es gibt zwar beglaubigte Verkaufsurkunden, doch kennen die Brasilianer alle moeglichen Tricks, an gutes europaeisches Recht gewoehnte Auslaender reinzulegen. Und dann gibt es noch bestochene Notare, Anwaelte...
Er erzaehlte uns noch mehr Stories, dass einem die Ohren schlackern (HA!).

Ja, wo war ich...achso, Praia da Pipa.
Es macht total viel Spass mit den verschiedenen Menschen im Apartement, wir haben eine Kueche und koennen so guenstig leben. Ausserdem eine riesige auf drei Seiten umlaufende Veranda mit Haengematten!

Da ich die drei Naechte in Canoa bereits in einer Haengematte in der Wohnung schlief (in vielen Wohnungen sind einfach Haengemattenhaken in die Waende eingebaut, viele Menschen schlafen ihr Leben lang in Haengematten!), konnte ich das meinem Ruecken und meiner Schlafruhe echt nicht mehr antun.

Wir verfrachteten also unsere Matratzen auf die Veranda und schliefen wie Engel in dem frischen Meereswind!
Bis ich heute morgen von einem lauten, regelmaessigen Geraeusch geweckt wurde. Ich oeffnete meine Augen und sah eine Palme...kippend...fallend... Ist das etwas der Restalkohol von gestern abend?
Ach nee, da wurden tatsaechlich am fruehen Morgen zwei schoene grosse Palmen vor unserem Haus gefaellt.

So, mit diesen Neuigkeiten lass ich euch jetzt mal wieder alleine und begebe mich mit meinem Moby Dick-Buch zurueck in meine Haengematte!
Achso, vorher kaufe ich mir noch einen Liter Eiscreme, den ich da mit rein nehme! Juuuuuuhu

Mittwoch, Januar 31, 2007

Wie die Loewen.

Vielleicht habt ihr schon einmal von der brasilianischen Bewegung Movimiento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (deutsch: Landarbeiter ohne Boden) gehoert.

Ich habe, einige Monate bevor ich nach Peru ging, das Buch "Hoffnungstraeger" von Frances Moore Lappe gelesen. Lappe reiste mit ihrer Tochter ein knappes Jahr durch die Welt, um aussergewoehnliche soziale und oekologische Projekte zu besuchen und zu untersuchen, wie und warum diese funktionieren.

Es waren wirklich viele aussergewoehnliche Projekte dabei, aber mit am beeindruckendsten war fuer mich die Bewegung der Landlosen in Brasilien.

Kurz also einige Infos dazu, bevor ich weitermache:

Der MST ist eine Massenbewegung in Brasilien, welche sich für eine radikale Landreform einsetzt und darüber hinaus auch soziale und politische Forderungen stellt. Die Bewegung erhielt 1991 den Alternativen Nobelpreis.
Ursache ist die extrem ungleiche Landverteilung in Brasilien, wo etwa 10 % der Bevölkerung rund 80 % des Landes besitzen. Von den Böden, die Großgrundbesitzern oder Konzernen gehören, sind etwa die Hälfte ungenutzt. Häufig sind sie nur Spekulationsobjekte.
Der MST stieg zu einer gesamtgesellschaftlich relevanten sozialen Bewegung in Brasilien auf, die den Anspruch erhebt, die Gesellschaft insgesamt verändern zu wollen. Dabei orientiert sie sich an kollektiven Aktionsformen und Lösungen (zum Beispiel Genossenschaften), will die Bedeutung der Arbeit über die des Kapitals stellen und kämpft für soziale Gerechtigkeit und gegen die Diskriminierung der Frauen. Ihre Aktionen folgen dem Prinzip der Gewaltlosigkeit. Die Ideale der Landlosenbewegung sind denen der Befreiungstheologie nahe.

Popularität verschafft sich die MST vor allem auch durch Aktionismus.
Dazu gehören
Landbesetzungen von brachliegendem Land oder Land, auf welchem schlecht gewirtschaftet wird, wobei immer wieder die Forderung zur Enteignung durch den Staat erhoben wird.
Daneben werden auch Ländereien besonderer Bedeutung besetzt, wie der Besitz des Präsidenten Cardoso im Jahre 1999; dies, um Aufmerksamkeit zu erregen. Bei den Landbesetzungen, den sogenannten acampamentos, werden (rechtswidrig) ein paar Familien (250-500) auf dem besetzten Land angesiedelt, die im Rahmen einer Produktionsgemeinschaft die Produktionsmittel gemeinsam verwalten und Schulungen erhalten, um eine effiziente Produktion aufzubauen. Dabei wird immer die Wichtigkeit der Kollektivität gegenüber dem Individuum betont.
Großkundgebungen (wie zum Beispiel 1997 Sternmarsch auf Brasília mit 40.000 Teilnehmern), Hungermärsche, Blutspendeaktionen usw.

Bis Ende der 1990er Jahre konnte die MST für ca. 350.000 Familien Land erkämpfen. Verglichen mit den geschätzten 4,5 Millionen landlosen Familien ist dies jedoch eher wenig. Mitte der 2000er Jahre ist die MST in 23 der 26 Bundesstaaten Brasiliens aktiv und betreut rund 1,5 Millionen Landlose.
(Der Text ist aus Wikipedia und gekuerzt.)

Alles ueber die Bewegung war schon wieder aus meinen Gedanken verschwunden, als ich in Bolivien die Brasilianerin Angela traf und eine Woche mit ihr verbrachte. Sie studierte Journalistik, moechte in diesem Beruf fuer die Medien in Brasilien aufgrund des Drucks und der starken staatlichen Vorgaben und Kontrollen jedoch nicht arbeiten. Mit einer Ausnahme: Sie wuerde fuer den MST arbeiten, erzaehlte sie mir, und zwar in deren PR-Abteilung, die unter anderem eine eigene Zeitung fuer Anhaenger der Bewegung und die Arbeiter erstellt.
Der MST hat grundsaetzlich mit der harten, staatlich kontrollierten Presse zu kaempfen. Der MST ist in den Koepfen als gewalttaetige Organisation, die viele Attentate, Aufstaende und Menschenleben auf dem Gewissen hat, verfestigt.
Das Gegenteil ist der Fall: Die Attentate und blutigen offenen Auseinandersetzungen auf den Feldern gehen (laut MST) vom Militaer, Staat und privaten Milizen aus.

Angela sagte, dass sie, wuerde sie tatsaechlich fuer den MST beginnen zu arbeiten, danach keine Anstellung mehr in anderen Firmen finden koennte.

Das war also mein erster indirekter Kontakt mit dem MST.

Auf dem letzten Amazonasboot bildete sich eine Riesengruppe Backpacker aus vielen verschiedenen Nationen, unter anderem auch Brasilien, Argentinien und Kolumbien. Wir verbrachten alle zusammen die naechsten beiden Tage in Belem. Der 26-jaehrige Brasilianer (mit dem ich auch auf dem Ver-o-Peso-Markt war) entpuppte sich als Produzent von Filmen fuer den MST. Er arbeitet nicht auf Anstellungsbasis, sondern als Freiwilliger fuer die Bewegung.
Er erstellt regelmaessig zwei Arten von Filmen: Aufklaerungsfilme fuer Arbeiter ohne Boden, die bisher noch nicht mit dem MST arbeiten und denen in kleinen Veranstaltungen die Moeglichkeiten dargelegt werden.
Und PR-Filme ueber den MST, die zur Aufklaerung der Oeffentlichkeit und Bekaempfung der Vorurteile und falschen Informationen dienen.

Wir unterhielten uns lange ueber seine Arbeit und die generelle Situation in Brasilien.

Er erklaerte mir, dass es in Brasilien ein Gesetz gaebe, welches den Staat dazu verpflichten wuerde, den Grossgrundbesitzern ihr Land zu nehmen, wenn diese es nicht sinnvoll (landwirtschaftlich) nutzen wuerden, und es unter den Besitzlosen in Parzellen aufzuteilen.

Diesem Gesetz gehe der Staat ueberhaupt nicht nach.

Das Drahtseil, auf dem sich der MST befindet, ist also gespannt zwischen der eigenhaendigen Durchfuehrung des Gesetzes, wie es der Staat selbst erlassen hat, und der Rechtswidrigkeit eben dieser Landbesetzungen, die dafuer notwendig sind.

Im Hostel unterhielt ich mich mit dem Hollaender Paul darueber, der mir direkt erzaehlte, er haette in Venezuela eine Mitarbeiterin des MST getroffen. Wow, diese Menschen und Geschichten sind ploetzlich scheinbar ueberall!
Pauls Gespraechspartnerin war dabei, das Programm auf Venezuela auszuweiten und Landarbeitern dort zu mehr Recht (und Nahrung) zu verhelfen. Waehrend die Brasilianer laut Ihrer Aussage "wie die Loewen um jedes einzelne Stueck Land kaempfen" wuerden, waeren Venezuelaner eher emotionslos bei der Sache. Zu jeder Kommune, die auf einem besetzten Stueck Land ein neues Leben beginnt, gehoert, im Kollektiv alles zu teilen. Wenn sie vorschlug, dass sie sich jetzt einmal zusammensetzen sollten, da die Kommune sicherlich eigene Regeln innerhalb dieser neue Form des Lebens aufstellen moechte, eigene Ideen einbringen moechte, wurde ihr Vorschlag mit einem "Mhm, kannst du die Regeln nicht auch einfach gleich fuer uns aufstellen?" beantwortet.
Das ist nur eine kleine "Anekdote", die mir da erzaehlt wurde, aber ich fand sie irgendwie interessant, sonderbar, was auch immer.

Und grundsaetzlich finde ich alles ueber die Bewegung hoechstinteressant und hoffe, auch weiterhin viele so interessante Menschen, die mir kleine Einblicke geben koennen, zu treffen.

Hoffe, es hat euch auch interessiert:). Und wenn, dann solltet ihr euch definitiv einmal das Buch "Hoffnungstraeger" anschaffen! Ist nicht besonders oeko, keine Angst, ist auch nicht langweilig oder total weltverbesserisch. Sondern wirklich interessant!
Guten Morgen, Rainer!

Wuensche dir einen schoenen Tag mit Sonne, wenn nicht draussen dann von innen, lass dich nicht aergern und geniess deine Pausen mit viel Liebestee!

Fuer Alle...Kleine Botschaft an Rainer aus der Kirchhoff Werbeagentur, der mir gerade schrieb, dass mein Blog die Startseite seines Browsers ist...schoen, ne!

Donnerstag, Januar 25, 2007

Das Paradies und Mein erster Caiprinha

Bootsfahrt Nr. 3
Von Santarém nach Belém


"Das seltsamste an diesen Schiffsreisen ist, dass nicht dieses verrueckte Leben und Verhalten oder die Anderen hier fremd sind, sondern das einzige Fremde in dem Ganzen ICH bin!"



Zitat eines chilenischen Mitreisenden, fuer mich das wahrste, was man ueber das Leben an Bord (und Reisen allgemein!) sagen kann.

Definitiv die seltsamste Erfahrung, die ich an Bord gemacht habe, war, alle Beruehrungsaengste und normalen "Sicherheitsabstaende", die ja jeder Mensch natuerlicherweise hat, vergessen zu muessen. (Ich wollte es euch ersparen, "ueber Bord zu werfen" zu schreiben, nachdem mich Henning nach meinem letzten Post wegen meiner "Kalauer" aufgezogen hat)

Irgendeine gewisse Zentimeteranzahl wird doch als des Menschen natuerlicher intimen Grenze angenommen, wird diese von anderen ueberschritten, empfindet man es als sehr unangenehm und weicht man automatisch zurueck. Es gibt Menschen, die haben kein Gespuer dafuer, anscheinend liegt deren Grenze weit unter dem Durchschnitt, und ich zum Beispiel empfinde es als sehr unangenehm wenn mir jemand fremdes "zu nah kommt". Ob das auch ein bisschen an norddeutscher Kuehle liegt?



An Bord jedenfalls kann man das mal schnell vergessen! Wer nicht schlafen kann, wenn die Haengematte zwischen drei bis 5 anderen Matten eingeengt haengt (gerne auch mal unter oder ueber der eigenen) und sich im Schlaf staendig fremde Koerper beruehren, vom Schaukeln und Herumhampeln im Schlaf aneinandergestossen werden, alle aufwachen nur weil einer wach ist... der muss entweder fuer eine teure Kabine zahlen oder schlaeft tagelang gar nicht!

So viele Menschen leben auf engstem Raum, beschaeftigen sich den lieben langen Tag mit irgendetwas, leben so vor sich hin, haengen in der Matte ab, und es scheint, als wuerde es niemand wirklich seltsam finden oder ueberhaupt mal darueber nachdenken, wie das alles eigentlich funktioniert. Jeder fuegt sich in den grossen Cluster mit gemeinsamem Ziel. Ist das nicht harmonisch?


Chaos, aber es funktioniert. Oder: Chaos, und es funktioniert!



Ein kleines Maedchen geniesst ihre Kakaofrucht. Die vielen Kakaobohnen werden von einer weissen, schleimigen Masse beschuetzt, die als Frucht gelutscht wird.
Sie bemerkt, dass ich sie fotografiere......und faengt mit ihrer Frucht an zu tanzen und fuer die Kamera zu posieren.
Maedchen sind wie kleine Ladys. Sie wirken alle aelter, als sie wahrscheinlich sind, sind jeden Tag voll gestylt, kokettieren mit den Jungs und tanzen Samba wie die Grossen.
Sonnenuntergang auf dem Amazonas


"Die bunte Kleidung vor den Haeusern liess uns glauben, wir haetten jeden Tag ein Fest."
Eine brasilianische Saengerin besingt romantisch ihre Kindheit in einem Armenviertel.


Belém. Die letzte Station meiner Amazonasfahrt

Auf dem grossen Ver-o-Peso-Markt in Belém. Ver o peso ist portugiesisch und bedeutet "Schau auf das Gewicht", was die richtige Bezeichung fuer einen Markt ist, auf dem vieles (Nahrungsmittel) nach Gewicht verkauft wird.

Dieses farbige Wasser wird aus Kraeuterauszuegen gewonnen und mit Farbstoffen versetzt. Aus einem alten mystischen Glauben der Amazonasbevoelkerung helfen die Mixturen bei Wehwehchen und Problemen jeder Art. Man giesst es sich beim Duschen ueber den Koerper und schafft so Abhilfe gegen Neid, boese Blicke, unglueckliche Liebe, Verwuenschungen, negative Gedanken und und und.

Ich war mit einem Brasilianer auf dem Markt unterwegs, der mir praktischerweise alles uebersetzen konnte. Er dreht verrueckte Videos von seinen Reisen, und ich hantierte mit meiner Kamera. Eigentlich durften wir das nicht, wie die nette Dame uns spaeter erklaerte. Grund: Das Patent fuer diese lang ueberlieferten Heilmittel der Amazonaskultur liegt nun bei einer europaeischen Firma. Unverschaemt genug, dass auf Naturheilmittel, Pflanzen und alten Mythen von Naturvoelkern ueberhaupt Patente erhoben werden duerfen. Herstellerinnen und Verkaeuferinnen muessen nun Gebuehren zahlen, wenn sie die Rezepte nutzen, die ihr Volk seit ewigen Jahren nutzt. Es ist ihnen verboten, die Flaschen und Inhalte filmen oder fotografieren zu lassen.


Belém hat schoene Ecken, die aber inmitten der dreckigen, verrueckten, chaotischen und gefaehrlichen Stadt eher schwer auszumachen sind.

Ilha do Marajó
Henning startete seine Reise 2005 in Brasilien. Nach einigen Wochen war er am Amazonas angelangt und sagte mir am Telefon, er wuerde nun die Bootsfahrt ueber den Amazonas starten und sich in ungefaehr 5 Tagen wieder aus der ersten Stadt melden. Ich und seine Familie warteten und warteten...ich weiss jetzt nicht mehr, wie lange, aber damals kam es uns ewig vor. Mit Null Reiseerfahrung hatte ich absolut keine Vorstellung davon, wie eine Rucksackreise ablaeuft und was passieren kann, so dass ich mir die verruecktesten Gedanken ueber Un- und Ueberfaelle auf dem Boot usw. machte.

Die beiden relaxten in der Zeit in einem der schoensten Paradiese, die sie auf ihrer Reise kennenlernen sollten. Ungeplant kamen sie zur Ilha do Marajó, ungeplant blieben sie dort einfach kleben und vergassen scheinbar die moderne Aussenwelt.

Ein Muss war fuer mich daher der Besuch dieses Ortes. Und jetzt kann ich definitiv verstehen, was die beiden damals so fasziniert hat.

Schon der Anruf bei Bernd, einem Deutschen mit Pousada in Soure, der groessten "Stadt" auf der Insel, weckte grosse Vorfreude. Bernd hatte schon Henning und Benni beherbergt und erinnerte sich schon an die beiden, ehe ich die Namen vollstaendig ausgesprochen hatte: "Ja klar, die beiden Jungs waren geil, das hat so einen Spass gemacht, ja, komm her, toll dass du hier bist!!!"

Genauso ueberschwenglich wurde ich am naechsten Tag begruesst. Ich kam erst abends an, hatte mich eigentlich fuer morgens angekuendigt. Ich sagte nicht ab, da ich mit der brasilianischen Leichtigkeit (und Unpuenktlichkeit) rechnete, Bernd machte sich Sorgen, da er an die deutsche Puenktlichkeit dachte. Falsch gedacht bei mir! Am Abend zuvor wurde ich von einem Liter Milch und vielen Acerola-Kirschen (der Frucht mit dem hoechsten Vitamin-C-Gehalt ueberhaupt, sehr sauer) in meinem Magen komplett aus den Socken gehauen und hatte eine extrem schlaflose Nacht mit viel Uebergeben. Ich weiss, ich weiss....

Dies ist das kleine Haeuschen, in dem ich 5 Naechte lang wohnte. Mit eigener Kueche und eigenem Garten. Die Familie wohnt auf der anderen Seite der Strasse.

Die Insel ist ein kleines Naturparadies. Klein im Vergleich zu dem gesamten Naturparadies Brasilien, gross, wenn man bedenkt, dass sie etwas groesser ist als die Schweiz! Hui, von Wikipedia lern ich gerade, dass es die groesste Flussinsel der Welt ist!

Das Leben ist wie etwas zurueckgeblieben - kein Internet, Fahrraeder stechen die wenigen Autos aus, das meiste wird mit Bueffelkarren transportiert. Die Insel ist bekannt fuer ihre Bueffelpolizei, Bueffelfleisch und Bueffelkaese (sehr lecker!).

Auch fuer diese knallroten Guarás ist die Insel bekannt: Dieser Schwarm flog direkt ueber mich hinweg.

Meine Lieblingsbeschaeftigung: Relaxen in der Haengematte all day long! Bernds grosser Garten ist perfekt zum Abhaengen, Natur beobachten, Tiergeraeuschen lauschen... Aufgeweckt hat mich nur ab und zu das laute Knallen einer zu Boden fallenden Mango. Fuer alle Mangofans: Diese Insel und besonders Bernds Garten sind gepflastert mit der Frucht!Mit Gesellschaft. "Chico" sprang in die schaukelnde Haengematte.

Papaya-Baum in Bernds Garten

Maracuja-Fruechte und im Hintergrund eine Palme, deren Fruechte man ebenfalls essen kann.
Acai-Frucht, sieht aus und schmeckt so aehnlich wie Acerola: sehr sauer!
Bernd gibt Pflanzanweisungen auf seinem Wochenendgrundstueck (10 Minuten vom Haupthaus entfernt...fuer viele waere dieses allein ja schon ein Paradies fuer Woche und Wochenende)

Neue Obstbaeume werden gepflanzt.

Wasserbueffel auf dem Wochenendgrundstueck
Ueber eine Holzbruecke spazierte ich durch einen Mangrovenwald zu einem kleinen Strand. Erst, als ich wieder ging, fiel mir ein, dass dies mein erster Blick auf den Atlantik von dieser Seite der Welt aus war.


Blattschneideameisen zerlegen fleissig den Baum im Hintergrund

São Luis. Ciao Amazonas!
Ab jetzt geht es immer weiter Richtung Sueden.
São Luis liegt an der Ostkueste Suedamerikas im Norden Brasiliens.
São Luis ist die erste wirklich schoene Stadt, die ich in Brasilien kennenlerne. Essoll das Raeggae-Kapital Brasiliens sein, die Stadt vermittelt, ob nun wegen dieses Fakts oder nicht, insgesamt ein total chilliges Gefuehl.

Mit einer Australierin, die ich im Bus kennen lernte, verbrachte ich den Tag mit Herumschlendern durch die Stadt und Anschauen der vielen kleinen Museen und Ausstellungen. Bemerkenswert gute Organisation: Museen sind meistens umsonst, und die Stadt ist mit vielen verschiedenen Plantafeln fuer Touristen ausgeschildert.

Abends gab es uebrigens in vielen verschiedenen kleinen Strassencafés meine ersten brasilianischen Caipirinhas! Nachdem ich tagsueber feststellen durfte, dass eine Flasche Pitú fuer tatsaechlich nur lasche 3 Reais zu erwerben ist...das ist 1 Euro...
Ueber 200 Haeuser sind bereits mit Geldern der UNESCO restauriert. Viel Arbeit liegt noch vor ihnen. Interessanter waren fuer mich trotzdem meistens die noch unrestaurierten alten Schabracken und die Vorstellung, wie sie wohl einmal ausgesehen haben. Ob wohl jemand mit diesem Baum in einer Wohnung lebt?
Seht ihr die Gesichter, die euch durch die Fenster anschauen?

Donnerstag, Januar 11, 2007

Eine Bootsfahrt, die ist lustig, und die andere nicht

Endlich in Brasilien angekommen! Waehrend der letzten Monate in Peru habe ich immer deutlicher gemerkt, dass ich einen totalen Tapetenwechsel brauche. Peru ist schoen und ich habe mich sehr wohl gefuehlt, was ich gerade an dem Gefuehl, von Bolivien wieder "nach Hause" zu kommen, gemerkt habe. Die peruanische Waehrung Soles kam mir so vertraut wie wahrscheinlich nach so langer Zeit nicht einmal mehr der Euro vor. Gerade den Norden Perus mit all den netten, offenen Menschen fand ich schoen - aber das konnte mich auch nicht ueber das Gefuehl bringen, dass ich halt immer noch in Peru bin und einfach mal, dringend, ein anderes Land ohne Anden brauche!
Zeitweise habe ich mich sogar zum allerersten Mal waehrend dieser langen Reise gefragt, ob ich nicht eigentlich nur nach Hause moechte und zu feige bin, um mir mein Heimweh einzugestehen.
Abwechslung, tropischer Jungle, war da genau das richtige, und deshalb habe ich die Zeit in Iquitos umso mehr genossen. Und jetzt bin ich schon in BRASILIEN, und darueber freue ich mich richtig.
Meine erste Bootsfahrt: Von Tabatinga nach Manaus

Dies ist nicht unser Boot, aber unseres hatte die gleiche Groesse und Ausstattung.
Mit dem Schnellboot in Begleitung der Kanadier Ali und Tom ging es von Iquitos in 10 Stunden nach Tabatinga am Dreilaenderdreieck. Die Grenzen Kolumbiens, Perus und Brasiliens stossen hier zusammen: Tabatinga ist bereits in Brasilien. Unterwegs lernten wir ein argentinisches Paerchen, Sergio und Paula, kennen. Von Tabatinga aus fahren Boote ueber den Amazonas bis nach Manaus, Santarem und Belen. Da es in diese Richtung stromaufwaerts geht, ist die erste Etappe nach Manaus mit 3 Naechten und 4 Tagen relativ
schnell erreicht. Die Nacht verbrachten wir bereits auf dem Boot, obwohl dieses erst am naechsten Tag ablegen sollte - wir wollten uns doch einen guten Haengemattenplatz sichern! Meinen Rucksack kettete ich mir ans Bein:), schliesslich muss man gut Acht geben auf sein Haeuschen! Die naechsten Naechte verzichtete ich zu Gunsten hoeheren Schlafkomforts lieber darauf, kettete ihn aber an einen Stahlpfeiler neben meiner Haengematte.


Und das, meine Lieben mit Klaustrophobie, ist unser Schlafplatz fuer 3 Naechte gewesen! Wir 5 und ein Israeli, der neu hinzukam, hatten einen gemuetlichen Bereich in der Mitte des Botes, umzingelt von beiden Seiten durch zwei weitere Reihen Haengematten, erkaempft. Dort konnten wir unsere Sachen sicher lagern, es war meistens einer von uns bei den Rucksaecken, denn auf den Booten wird oefter mal gestohlen. Viel Platz gab es nicht...ich habe leider vergessen die Haengematten auf dem Boot zu zaehlen, aber da jeder 70 Dollar bezahlte, kam da schon eine huebsche Summe zusammen!
Sergio, der Argentinier, spricht Chinesisch, Russisch, Franzoesisch, Hebraeisch, Spanisch (klar), Englisch und, praktisch, Portugiesisch. (Deutsch ist uebrigens die naechste Sprache, die er lernen moechte. Alle anderen Sprachen hat er einfach so im Urlaub aufgeschnappt, waehrend seines Urlaubs in Deutschland hat das aber nicht geklappt. Er sagt, fuer ihn ist Deutsch bisher am schwierigsten, da er einfach nicht Heraushoeren kann, wo ein Wort endet und das andere beginnt! Das habe ich schon oft von Leuten gehoert, die ein bisschen Deutsch koennen. Wahrscheinlich sind wir unheimliche Nuschler und Verschlucker und Schnellredner...und die haben ja nicht nur mit mir gesprochen...) So nutzten wir die Tage auf dem Boot, um die wichtigsten portugiesischen Vokabeln und Saetze zu lernen. Da ich aber definitiv ein Lesegedaechtnis besitze und mir die Vokabeln nicht aufschrieb, waren sie am darauffolgenden Tag immer wieder verschwunden! Mit Ausnahme derer, die sehr viel Aehnlichkeit mit spanischen Vokabeln haben oder sogar gleich sind. Grundsaetzlich sind die Sprachen sich geschrieben total aehnlich und ich kann das meiste verstehen, was auch wirklich keine Schwierigkeit ist. Gesprochen aber ist da ein himmelweiter Unterschied! Castellano und Spanisch wird halt grundsaetzlich so gesprochen wie geschrieben mit einfachen Regeln, waehrend die Portugiesen und Brasilianer noch ihre ganz besonderen Regeln und Laute haben und das alles so anders klingen lassen! Daran muss man sich erstmal gewoehnen und das vor allem hinbekommen! Portugiesisch ist fuer mich eine echt schoene Sprache. Silvia habe ich sehr gut verstanden, auch den Unterhaltungen ihrer brasilianischen Mitbewohner konnte ich folgen. Waehrend auf dem Boot und auf der Strasse oft der sehr eigene Dialekt des Nordens hinzukommt und ich meistens einfach nichts schnalle. Eine brasilianische Bekannte aus dem Sueden wird, wenn sie in den Norden reist, oft gefragt, aus welchem Land sie kommt - so unterschiedlich sind die Akzente. Ich habe oft gehoert, dass Brasilianer sich unheimlich anstellen und einfach nichts verstehen wollen, sobald man kein Portugiesisch sondern Englisch oder Spanisch spricht. Ich habe bisher mit Spanisch meistens sehr gute Erfahrungen gemacht, Leute sind sehr nett, verstehen sehr gut und geben sich Muehe, einem etwas zu erklaeren. Fuer mich ist es echt ungewohnt, nach so vielen Monaten Verstehen- und Sprechen-koennen in ein Land zu kommen, in dem ich nicht einfach so jemanden auf der Strasse ansprechen und ohne Schwierigkeiten sofort an meine gewuenschten Informationen kommen kann. Das ist lustig und seltsam, aber definitiv auch sehr gut, denn es heisst:
RAUS AUS MEINER KOMFORTZONE!
Nachts legten wir in den vielen kleinen Gemeinden am Amazonas mehrere Stops ein, um neue Passagiere einzusammeln oder einige abzusetzen. Das Gerumpel und Gekrache sind keine Geraeusche, an die man sich gewoehnt und einfach friedlich weiterschlaeft! Fruehstueck gab es bereits um 5:45, wahrscheinlich, weil so viele so frueh schon wach waren, und die anderen Mahlzeiten dementsprechend ebenso verfrueht: Mittag um 11:00 und Abendessen um 16:00. Nudeln, Reis und Haehnchen, in Ordnung, vor allem sauber! Frueh wurden ebenfalls die Lichter ausgemacht und entweder wurde dann mit der Taschenlampe weitergelesen oder oben auf der Terrasse Karten gespielt und leckeres, kaltes, brasilianisches Bierchen getrunken.
Fuer Kinder ist alles so viel einfacher. Oder: Kinder machen es sich einfacher und besser. Total sorglos, gluecklich und friedlich tobten sie ueber das Boot, robbten auf dem Boden herum, und genossen ihre Zeit. Und wenn wir erst 10 Tage spaeter angekommen waeren, waere das auch kein Problem gewesen. Hier eine US-amerikanische Tochter eines Missionarehepaares und eine Brasilianerin.


1. Stop: In Manaus. Leben in einer Favela, einem Armenviertel

Auf dem Boot lernte ich Silvia kennen, Oesterreicherin, die in einer Gemeinschaft in Manaus lebt und mit Indigenas aus der Stadt und den kleinen Doerfern im Amazonas arbeitet. Sie bot mir sehr nett an, waehrend meines Aufenthaltes bei ihr bleiben zu koennen, und so tat ich natuerlich! Der Reais stieg waehrend der letzten Jahre, in meinem Reisefuehrer von 2005 wird der Umrechnungskurs noch 3,04 Dollar - 1 Reais angegeben. Wir tauschten fuer 2,30 Dollar, und momentan liegt er schon bei 2,15! Das ist toll fuer die Brasilianer aber schlecht fuer mich! Eine Nacht in einem Hostel fuer 20 Reais kostet also schon fast 10 Dollar. Aus Peru und Bolivien bin ich gewohnt, dass eine Hostelnacht zwischen 2 und 5 Dollar kostet. Leben wird teuer hier in Brasilien, aber das Land wird es trotzdem wert sein!


Aus Solidaritaet zu den Armen, mit denen sie arbeiten, und aus der Ueberzeugung, sie nur dann wirklich verstehen zu koennen, wenn sie selbst so leben, wohnen Silvia und ihre Gemeinschaft in diesem Armenviertel in der Stadt. Alle Haeuser sind auf Stelzen gebaut und ueber die Holzbruecken miteinander verbunden, da die Regenzeit den Fluss nebenan zum Ueberlaufen bringt. Das Haus der 5 Frauen liegt neben dem der Maenner der Organisation am Ende der gesamten Siedlung. Jedesmal beim Kommen oder Verlassen des Hauses muss also das gesamte kleine Viertel durchquert werden, was nicht einfach ist. Natuerlich sind die Haeuser der Gemeinschaft vergleichsweise besser eingerichtet als die der Nachbarn - also zum Beispiel mit Kuehlschrank. Ausserdem ist das Geld da, mehr und bessere Lebensmittel zu kaufen. Jeden Tag mit vollen Einkaufstueten wiederzukommen und diese dem gesamten Viertel vor die Nase zu halten, bevor man im Haus verschwindet und alles lecker duftend verputzt, ist aber auch nicht das Wahre. Fuer alle ist es schwierig, den richtigen Kompromiss zwischen gesundem Leben und Solidaritaet zu finden.

In diesem kleinen Nachbarhaeuschen leben 4 Personen. Es wurde in 4 Tagen fertiggestellt. (Nicht, dass euch dieser Fakt jetzt verwundern duerfte...)

Der Blick aus dem Kuechenfenster.

Kleine schelmische Nachbarjungs, die gar nicht genug davon bekommen konnten, die neue Gringa durch das Fenster zu beobachten. Kindheit in Armenvierteln ist natuerlich oft gepraegt von Gewalt, Armut, Sorgen, Drogen. Das sind die Gedanken, mit denen ich in dieses Viertel kam. Was ich sah, waren friedliche, freundliche, neugierige Menschen, die den lieben langen Tag Musik aus ihren Haeusern schallen lassen, tanzen, lachen, und froehliche Kinder, die auf den Holzwegen herumtoben. Damit ist nicht mein erster Satz wiederlegt. Es zeigte mir aber eine "andere" Realitaet, die neben der gewaltsamen exisitieren kann. Die Vorstellung einer Kindheit in der Mittel- und Oberschicht in Suedamerika ruft in mir traurige Bilder hervor, seit ich nach Peru gekommen bin und etwas mehr ueber die Verhaeltnisse kennen gelernt habe. Eingesperrt hinter Mauern im Haus, nicht unbesorgt auf der Strasse spielen koennen so wie wir frueher, nicht mit dem Fahrrad oder Rollschuhen unterwegs zu Freunden sein. So wie meine Gastfamilie mich am liebsten im Haus eingesperrt haette (stattdessen haben sie mich oefter mal ausgesperrt:), denn ich hatte ja keinen Schluessel), weil "draussen alles soooo peligroso, gefaehrlich, ist" (das hoert man mehrmals taeglich, egal, was man vorhat), sperren sie ihre Kinder wirklich ein. Oft habe ich den Gedanken, dass Kinder wohlhabender Familien hier viel naiver, besorgter, unrealistischer aufwachsen als wir - obwohl sie mehr von Korruption, Gewalt und Armut sehen, und wir so unbesorgt aufwachsen, wir dafuer aber FREIER erzogen werden, selbststaendiger sind und freier denken.

Der Hauseingang mit Waschbereich.
Die Kueche. Ist doch ziemlich nett, oder? Eines Abends waehrend der drei Naechte, die ich hier verbrachte, war ich allein zuhause. Ich fuehlte mich erst unwohl, hatte den Gedanken, als wohlhabende Gringa ganz allein in einem (sehr einbruchUNsicheren!) Haus in einem Armenviertel und ziemlich schutzlos zu sein. Relativ schnell beruhigte ich mich und fuehlte mich letztendlich wieder richtig wohl, sass in der Kueche, trank Tee und las. Die Menschen hier sind laut der Gemeinschaft so friedlich und nett, man lebt in einer grossen Familie. Wenn etwas passieren wuerde, dann nur von Menschen, die von ausserhalb kommen. Und die wuerden wohl eher im Zentrum ihr Glueck versuchen, wo mehr Geld herumlaeuft!


Das Teatro Amazonica

Mein einziges Sightseeing in Manaus, einer recht haesslichen, unspannenden Stadt, fuehrte mich, wohin wohl, natuerlich zum Teatro Amazonica. Im Internet fand ich folgenden Text: "Zur Berühmtheit der Dschungelmetropole beigetragen hat vor allem die bewegte Phase des Kautschukbooms, der bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur schnellen Reichtum, sondern auch Chaos und bizarre Relikte, wie das opulente Amazonastheater, entstehen ließ."

Sagt perfekt, was ich sagen wollte. Denn das Theater ist wunderschoen, wie ihr auf den Bildern sehen koennt (nicht von aussen, da ist es altrosa und potthaesslich), aber geschmacklos, wenn man bedenkt, auf wessen Rechnung dieser Wohlstand mal wieder entstand.

Alle Materialien - nur die teuersten und besten - sind, ausgenommen des Holzes, extra aus Europa und Asien importiert. Das Holz wurde aus den Waeldern Brasiliens entnommen, dafuer aber zur speziellen Verarbeitung nach Europa verschifft und anschliessend wieder eingefuehrt.
Dieses Bild ist krumm und schief, was nicht anders ging, da ich meine Kamera wegen der extralangen Belichtungszeit auf das Gelaender stellen und mit Selbstausloeser fotografieren musste. Im Nachhinein finde ich es aber ganz passend zum Theater, dessen Geschichte ja auch kein perfektes Bild im Gedaechtnis Brasiliens zurueckliess.

Dies soll der Eiffelturm von unten sein.
In diesem Gelaender wird die Kaffeebluete als Zeichen des Wohlstands verewigt. Wohlstand hat sie zweifelslos gebracht - fuer die kleinste und oberste Schicht der Gesellschaft.


Mein zweiter Bootstrip: Von Manaus nach Santarem


36 Stunden sollte diese Fahrt dauern, wir starteten um 12 Uhr mittags und sollten gegen Mitternacht in Santarem ankommen. Ha, zu frueh geplant! Plus 40 % Verspaetung, also erst um 17 Uhr am naechsten Tag, standen wir auf santaremschen Boden. Warum, erfahrt ihr unten.

Der Amazonas ist an einigen Stellen bis zu 3 km breit. Wir fuhren in der Mitte, um die Stroemung zu nutzen, konnten trotzdem immer beide Seiten, wenn auch weit weg, sehen.
Hier kommen zwei unterschiedliche Fluesse des Amazonas zusammen. Aus dem Rio Negro kommt das schwarze Wasser. Die Farben mischen sich scheinbar ueberhaupt nicht, es wirkt so, als wuerden zwei Fluessigkeiten ueber lange Distanz einfach nebeneinander herfliessen.
...und dieses Farbenspiel ist Licht und Schatten durch die Wolken, die die Sonne verdecken

Schwarze Nacht ueber dem Amazonas

Die Nacht auf diesem Boot endete unglaublich schlaflos und eng. Aber gottseidank endete sie! Ich hatte mit einer Haengematte zu kaempfen, die so nah direkt ueber mir hing, dass ich nicht einmal mein Bein anwinkeln konnte! Nachts wachte ich von einem Gedraenge und Geschiebe von links gegen meine Haengematte auf, und durfte feststellen, dass sich der Typ, der tagsueber lautstark Baptisten-Rock´n´Roll (ja, sowas gibt´s anscheinend!!) gehoert hatte, gerade nackt bis auf weisse Feinrip-Unterhose auf seine Freundin geschmissen hatte! Was sie vorhatten, weiss ich (natuerlich) nicht, habe es aber vorsorglich verhindert durch demonstrativ Zeigen, dass ich wach bin. Was sie trotzdem nicht am Reden, Rummachen und Rumwuehlen in der Haengematte gehindert hat.

Frueher Morgen auf dem Amazonas, die Welt erwacht...mein Becher ist gefuellt mit heissem (viel zu suessem, igitt) Kaffee, ich bin aus meiner Haengemattensituation gefluechtet und sitze hier auf einem Stuhl, auf das Wasser schauend. Die Situation wird begleitet von fruehmorgendlichem Vogelgezwitscher ... das aus den mit Kueken gefuellten grossen Holzkisten an Bord kommt.
Kurze Anekdote: Zwei sehr nette Amerikaner waren mit an Bord. Anfangs durfte ich mich von dem einen aber erstmal fragen lassen: "What do you want to do, when you grow up?"
Naja, ich weiss ja, dass ich jung aussehe, aber...

Nicht nur, dass dieses Boot im Gegensatz zu dem vorherigen total dreckig und alt war, die Naechte in der Haengematte unglaublich eng und kalt (ich habe jetzt eine Erkaeltung in dieser tropischen Hitze!), und das Essen schlecht, nein, das Boot funktionierte noch nicht einmal!
Am ersten Morgen beim Zaehneputzen sah ich gelangweilt heraus und durfte feststellen, dass ein zweites Boot der gleichen Groesse an unserem festgebunden war. "Oh, wir ziehen ein Boot mit" dachte ich. Ein sehr netter amerikanischer Mitreisender klaerte mich spaeter darueber auf, dass wir es waren, die gezogen wurden und unser Motor seit 1 Uhr nachts nicht mehr funktioniert und bisher noch nicht repariert werden konnte. Irgendwann liessen sie das grosse Boot gehen und versuchten, den Motor zu reparieren. Nach 4 Stunden lief er - fuer 20 Minuten. Das ganze ging noch einmal so, bis wir einfach so im Amazonas herumtrieben und nichts mehr ging. Als unsere Rettung in Form dieses Mini-Bootes kam, mussten wir erst einmal von der Schlammbank gezogen werden, auf die wir in der Zwischenzeit so halt- und kraftlos getrieben waren. Das erforderte einiges an Kraft, Geduld und Zeit. Letztendlich wurde unser Riesenboot von diesem Winzling bis nach Santarem gezogen!

Fuer mich bedeutete das eine weitere ungeplante Nacht in der Haengematte, was eigentlich recht praktisch war, sparte ich mir dadurch ja die Hostelkosten fuer eine Nacht.

Andererseits bedeutete das auch weitere 15 Stunden mit Baptisten-Rock´n´Roll!

... letztendlich bin ich heil in Santarem angekommen und habe sogar die Mitreisenden vom ersten Boot im Hostel wiedergetroffen.
Santarem ist auf den ersten Blick sehr nett und gemuetlich. Bald mehr!

Dienstag, Januar 02, 2007

Gut reingekommen?

FROHES NEUES JAHR 2007!

Es wird bestimmt ein tolles glueckliches gesundes wunderschoenes Jahr!

Hier einige Bilder unserer Silvesterparty mit allen Backpackern, die im Hostel sind. Wir bzw. ein Kolumbianer, der Koch ist, haben ein superleckeres Essen (Fisch) gekocht, alle zusammen gegessen und getrunken und sind anschliessend, nachdem wir um Mitternacht draussen auf der Strasse gefeiert haben (ohne Feuerwerk, habe auch nichts in der Stadt ausser Wunderkerzen gesehen) in Bars und zu einem Salsa-Konzert gezogen.

Das war ein richtig geiles Silvester hier in Peru, Iquitos, an einem perfekten Ort mit einer richtig tollen Gruppe aus Peruanern, Italienern, Australiern, Nordamerikanern, Spaniern, Deutschen, Hollaendern, Belgiern, Kanadiern, Kolumbianern!





Samstag, Dezember 30, 2006

AMAZONAAAAAAAS, yeah!

Heiligabend verbrachte ich in Iquitos in Peru. Unbedingt mal auf der Karte suchen! EIne Stadt mitten im peruanischen Amazonasjungle, die ueber keine Strassenanbindung verfuegt und nur ueber Luft oder Wasser erreicht werden kann. Ich bin geflogen, da ich bald ja noch lange genug auf dem Boot bin.
Am zweiten Weihnachtstag startete ich mit einer Agentur und 5-koepfigen Gruppe eine 6-taegige Tour in den Jungle.


Iquitos an Heiligabend. Diese Stadt ist WAHNSINNIG! Mir gefaellt es hier supergut, weil es so anders ist als das restliche Peru. Ich fuehle mich nicht wie in Peru sondern wie...ja, einfach im Jungle. Meine Vorfreude auf Brasilien waechst nur noch mehr, gerade weil ich zuletzt einfach nur noch raus aus Peru und endlich etwas komplett anderes sehen wollte.
Die Menschen im Norden Perus und vor allem hier in Iquitos sind so unglaublich freundlich. Lange wurde ich nicht mehr einfach so auf der Strasse angelaechelt oder mit einem freundlichen "Hola" gegruesst, ohne dass verkaeuferische Absichten oder Anmachen von Maennern dahinterstecken. Kinder spielen lachend auf den Strassen, kommen angelaufen, lachen, fangen einfach an zu reden. Hier ist es so froehlich!
Diese Stadt ist voll von Motortaxen, diese Mofas, die kleine Rikscha-Wagen hinter sich herziehen. Es ist ein einziges Gewumme und Gebrumme, auch nachts direkt am Hostel-Dormitorio vorbei.
Ich habe mir angewoehnt, einfach auf die Strasse zu laufen und dann zu schauen, wie es weitergeht. Man kann sich imemr irgendwie durch die Riesenautomassen schlaengeln. Anders geht es in Arequipa, Lima und anderen peruanischen Staedten einfach nicht - Warten? Ha, dann aber ewig. (Papa, nicht drueber nachdenken;))
Hier habe ich das auch ein paar Mal versucht, aber nix da...keine Chance gegen diese flitzigen Fahrzeuge. Man steht nur zwei Schritte auf dem Asphalt, hoert ein Summen und Brummen, das wie ein gefaehrlicher Bienenschwarm immer lauten wird und schaut nach rechts...und entscheidet sich angesichts der MASSE, die da angesaust kommt, doch lieber fuer Warten. Angenehm ist dafuer aber, dass sich alle an Ampelregeln halten - nur muss ich das erstmal wieder lernen!

Dieses Bild habe ich an Heiligabend auf dem Plaza de Armas gemacht. Neben feiernden Menschenmassen auf der Strasse war die Stadt auch voll von Motortaxen, die hier im Dunkeln an mir vorbeisausen.



Eine schoene Lagune in der Naehe von Iquitos. Umgeben vom Regenwald, aber mit kuenstlich angelegtem Sandstrand, eine kleine Ausflugsoase fuer die Iquiteños.


Mir wurde gesagt, es werden frische Huehner auf die Jungletour mitgenommen. Oh ja, diese sind frisch!


Blick aus dem "Esszimmer" unseres ersten Camps durch den Moskitoschutz nach draussen. 2 Naechte blieben wir in diesem Basecamp und schliefen auf Matratzen mit Moskitonetz, hatten aber nur ein Plumpsklo und keine Dusche. Also war waschen im Fluss angesagt! Ziemlich basic (und guenstig:)), diese Tour, aber genau so wollte ich es ja auch.

Unser zweites Camp - dieses Mal im Freien. Eine Nacht schliefen wir hier, haengten unsere Haengematten zwischen die Baeume und einen Moskitoschutz drueber, der um unsere Haengematte natuerlich komplett geschlossen war.

Unser drittes Camp - ebenfalls eine Nacht, bevor es fuer die fuenfte Nacht wieder zurueck in das Basecamp ging. Wir waren im Basecamp bereits 200 km von Iquitos in westliche Richtung entfernt, fuhren fuer diese beiden Naturcamps aber noch tiefer in den Jungle. Da wir keine Motoboote hatten sondern die ganze Zeit in dem schmalen Boot durch die Gegend paddelten, waren die Wege entsprechend lang und eigentlich fast Hauptbestandteil der ganzen Tour. Genauso spannend und schoen wie nachts auf Tiersuche zu gehen, ist es, stundenlang im Boot herumzuschippern und einfach nur zu paddeln und zu gucken, gucken, gucken, hoeren, hoeren, hoeren.

Die Naechte in den Camps waren unglaublich. Einerseits nervig, ekelig, nachts manchmal sehr kalt (also ich fror!), sehr sehr feucht und moskitoreich (sooooooo unglaublich viele Moskitos! Es ist Regen- und Hauptmoskitozeit!). Andererseits so spannend, aufregend, interessant. Bei jedem Ortswechsel hoerte man wieder Geraeusche, die man vorher noch nie gehoert hatte. Seltsame Vogellaute oder witziges Gequake von Froeschen, Grillen, unheimlich laut bruellende Affen. Ich traeumte nachts in allen Naechten unglaublich intensiv und allen moeglichen wirren Quatsch. Ich wachte mehrmals auf und lag jedes Mal wie geschockt in meiner Haengematte, da ich immer aufs Neue erst wieder realisieren musste, WO ich eigentlich bin! Mitten im Jungle, von einer duennen Stoffhuelle vom wilden Leben geschuetzt! Die Geraeusche nachts waren unbeschreiblich laut und intensiv. WOW!


Von diesem kleinen Jungen, der in einem nahe gelegenen Dorf wohnt, wurden wir in den 6 Tagen bekocht. Fuer seine Familie kocht er auch taeglich und kann es wirklich gut! Natuerlich war das Essen auch sehr basic, aber fuer den Jungle echt okay. Reis, Nudeln, Kartoffeln, Omelette.

Es ist Regenzeit. Wenn mittags die Affen bruellen, regnet es nachmittags. Tatsaechlich!

Man hoert den Regen kommen. Mehrmals wurden wir beim Angeln, mitten auf dem Wasser im Boot, von ihm ueberrascht. Der Himmel zieht zu, es fuehlt sich an, als wuerde sich die ganze Welt um einen herum zusammenziehen. Ein Rauschen kommt schnell naeher, wird immer lauter, bis der gesamte Wald nur noch rauscht und schliesslich die Tropfen prasseln.


Wir kaempften uns durch viele kleine Nebenbereiche der Fluesse, winzige Seen, Mini-Fluesse neben den eigentlichen. Auf der Suche nach Piranhas, Kaimanen, Affen. Oft sahen wir Affen in den Baeumen sitzen oder aus der Ferne schreien.






Mein Heim - meine Haengematte. Jetzt habe ich mir fuer das Amazonasboot, mit dem ich bald nach Brasilien schipper, aber selbst eine gekauft, denn diese gehoerte der Agentur. Meine ist knallrot und wunderschoen:)!






Blick aus meinem Haengemattenheim.



Ja ich geb's zu, das war im Zoo...in einem ganz kleinen witzigen Zoo in der Naehe von Iquitos, der zu der Lagune gehoert, die ihr oben gesehen habt.

Eigentlich sollte ich dieses Foto retuschieren (lassen), denn die schwarzen Flecken, die dieses Froeschchen schmuecken, sind nur Schmutz. Das suesse Tierchen ist tatsaechlich ohne Ausnahme so weiss, als waere es mal in einen Eimer Deckweiss gefallen. Da der Frosch ungiftig ist, frage ich mich, warum! Mit dieser Tarnung kommt man doch nicht so weit im gruenen Jungle?

Nicht die erste Tarantel, die mir begegnete, aber mit Abstand die groesste. Ungelogen groesser als meine Faust war dieses schmucke Tierchen, das tagelang an der Wand unseres Essraums im ersten Camp hockte und wartete...ich weiss nicht mit was eine Spinne sich so den ganzen Tag beschaeftigte aber das sah nicht sehr interessant aus.

Diese liebevolle Mami, etwas kleiner als meine Faust, ebenfalls gefunden an der Wand im ersten Camp, schleppt ihre Babys in dem weissen Saeckchen unter sich herum. Innerhalb einer Woche wachsen die Kleinen so sehr, dass der Sack aufplatzt und die Spinnchen in die grosse weite Junglewelt entlassen werden.


Eine Baby-Viper besuchte uns im Camp. Dieses winzige Schmuckstueck lebt leider nicht mehr - die Agentur nannte sich zwar "Ecological Jungle Trips", einer der Guides befand es aber dennoch fuer sinnvoll, die Kleine wegzutragen und zu toeten, aus Sicherheit. Wir haben leise dumpfe Schlaege im Camp gehoert und waren ziemlich entsetzt. Sicher ist der Jungle doch nirgendwo wirklich, ich muss immer aufpassen, wo ich hinfasse und -trete. Ich bin nur Besucher im Jungle und muss mich dort anpassen!

Fleissige Ameisen, die man auf dem Foto nur schwer erkennen kann, schleppen Blaetter hochkant aufgerichtet auf ihrem Ruecken in langen Ameisenstrassen von einem Baum herunter (dort werden die Blaetter "geschnitten") und in das riesige Nest zur Bettung der Laven.

Sie arbeiten 24 STunden taeglich und schleppen ein Blatt, welches 2-3 mal groesser ist als sie selbst.

Meistens hoerten wir Affen nur schreien oder sahen sie aus der Ferne im Baum. In diesem Fall kamen sie so nah heran, dass ich die Fotos ohne Zoom gemacht habe. Naja, wir haben sie ja auch mit Bananen gefuettert:)

Donnerstag, Dezember 07, 2006

Die letzten 7 Monate

Seit fast 7 Monaten habe ich keine frische deutsche Nordseeluft mehr geschnuppert - dafuer viele andere tolle Dinge gesehen. Jetzt ist die Zeit meines Abschieds aus Arequipa gekommen (den ich immer noch ein wenig herauszoeger, eigentlich wollte ich seit 2 Tagen verschwunden sein)! Dafuer liegen jetzt einige spannende Reisemonate vor mir, auf die ich mich schon so freu. Zeit fuer einen kleinen Rueckblick in Form von Fotos - vielleicht nicht die besten, informativsten fuer euch, aber fuer mich ein kleiner Querschnitt!

Arequipa - die Stadt des ewigen Fruehlings und mein Zuhause fuer die letzten 7 Monate

Campesino auf dem Feld



Das Santa Catalina-Kloster im Stadtkern Arequipas



Hedwig und Josue in Arica

Vicky, die suesse kleine Vogelomi aus dem Altersheim, in dem ich zuletzt gearbeitet habe. Und mit 101 Jahren die aelteste!

Reisen durch Peru ohne Lamas zu fotografieren geht natuerlich nicht!

Durch die Hoehen der Anden unterwegs mit dem MMI

Eine Patientin in ihrer Tracht

Markt in La Paz

Tuerbemalung in der Militaerakademie in La Paz, in der 600 Maenner und 100 Frauen ausgebildet werden: "Unser naechster Treffpunkt - die Hoelle!"

Aligator in den bolivianischen Pampas

Zwei Maedels aus Uruguay, mit denen ich 4 Tage in Bolivien verbrachte

Meine letzte Partynacht in Arequipa - Abschied in unserer Stammbar, dem Killa!
mit Hedwig alias Maria - weil "Hedwig" fuer jeden Peruaner unmoeglich auszusprechen ist

"Jag aelskar Sverige" - zwei verrueckte Schweden, die ich in La Paz aufgegabelt habe

Unsere Freunde Jorge, der Betreiber des Killa, und Yasmani, der dort arbeitet

mit Hedwig, Jorge und Yasmani

Sonntag, November 26, 2006

Mein erster Trek!

"Damit komm ich nicht ein ganzes Jahr durch" dachte ich, als ich die Versuchung spuerte, mich wiederholt vor einem Trek zu druecken und die bequeme Busalternative zu waehlen. Das heisst nicht, dass ich gerne in einem Bus mit fetten, oberflaechlichen "Ich-bleib-nur-2-Wochen-aber-trage-die-komplette-Touri-Trecking-Ausruestung"-Touris sitze. Das heisst, dass ich generell selbst einfach faul bin.
Dieses Mal hatte mein Monster keine Chance!
Ich quaelte mich nachts um 1 aus der Wohnung - nein, ich hatte vorher nicht geschlafen, und ja, ich hatte den fuerchterlichsten Kater aufgrund des fuerchterlichsten Alkoholabsturzes meiner gesamten Arequipa-Zeit. Haette Guide Maria nicht um 18 Uhr in der Wohnung gestanden, um sich zu vergewissern, dass sie die richtige Adresse hatte, waere ich ausserdem weiterhin in dem Glauben geblieben, die Tour wuerde erst in der naechsten Nacht starten und haette nachts um 1 friedlich geschlafen!
Ein wenig chaotisch alles, aber es ging wie immer gut, und das ist ja die Hauptsache.
"Glueck muss man koennen", oder wie war das.

Nach der kaeltesten naechtlichen Busfahrt der Welt starteten wir morgens von Cabanaconde aus, und stiegen fuer 3,5 Stunden die 1.000 m tief in den Canyon hinab.
Wir ueberquerten den kuemmerlichen Fluss und assen auf der anderen Seite waehrend einer 2-stuendigen Pause zu Mittag.
Weiter ging es fuer weitere 3,5-4 Stunden bergauf, bergab, bergauf, bergab, bergauf...
Uebernachtet wurde in einfachen Camps.
Die Nachtuhe wurde gegen 2.30 unterbrochen - um 3 Uhr nachts standen wir wieder bereit zum Aufstieg!
3,5 Stunden spaeter und 1.000 m hoeher (!) erreichten wir Chivay, von wo aus es mit dem Bus zum Cruz del Condor ging.

Das ist der Canyon! Uebrigens nicht, wie immer wieder irrtuemlichweise gesagt wird, der tiefste der Welt, sondern der zweittiefste. Der tiefste ist der Cotahuasi, der auch in der Naehe Arequipas liegt, und den Colca um ganze 160 m Tiefe schlaegt. Der Colca ist mit ueber 3.000 Tiefe uebrigens fast doppelt so tief wie der Grand Canyon! Na, habt ihr schon mal in 3 Saetzen so oft das Wort "tief" gelesen?
Der kleine geschlaengelte Weg entlang des Berghanges ist uebrigens unsere Route!

Der Trek war hart und anstrengend, aber hat ungeahnt viel Spass gemacht! Die kleine Peruanerin rechts ist Maria, die diese Tour als Guide seit 3 Jahren 2 mal woechentlich unternimmt.
Unglaublich, dass in diesem Klima so viel wachsen kann! Im Canyon liegen verschiedene malerische Doerfer alter Indianerstaemme, die in ihren kleinen Gaerten unglaublich viele exotische Fruechte anpflanzen! Leider konnte ich nur einen noch sauren Apfel vom Baeumchen klauen - die Reifezeit ist noch nicht angebrochen.
Auf dem Hauptplatz eines kleinen Doerfchens im Canyon. Die Bewohner des Colcas verfuegen ueber keine Moeglichkeit, sich ueber Strassen und mithilfe von Fahrzeugen fortzubewegen. Die langen Wege hinauf in die Stadt, wo sie ihre Fruechte verkaufen, und hinunter in ihre Doerfer legen sie ausschliesslich zu Fuss und mit Mulis, Eseln und Pferden als Lasttiere zurueck.

Waehrend unseren Wanderungen trafen wir viele sehr alte Menschen, die sich auf ihren verstaubten Fuessen mit einfachen, zerfetzten Latschen immer noch taeglich auf den Weg machen! Unglaublich, welche Lasten sie tragen. Und beeindruckend, welche Freundlichkeit sie einem entgegenbringen!

Mit Mulis sich auch der Arzt bei Notfall-Einsaetzen fort. Ich brauche euch nicht zu sagen, dass dementsprechend viele Notfalleinsaetze schon keine Notfaelle mehr sind, wenn der Arzt eintrifft.


Ein Hinterhof eines fuer diese Region typischen mit Stroh gedeckten Adobe (Lehm-) haeuschens. Die auf mich zu rennende Bestie konnte mich nicht rechtzeitig vor dem Abdruecken bewahren, aber dann wurde Flucht ergriffen!


Die Wunderavocados! Einige deutsche Entwicklungshelfer wollten vor einigen Jahren die Region mit manipulierten Obst-Samen begluecken. So wurden durch Kreuzungen besonders grosse, leckere Aepfel und eben diese Avocados mit besonders cremiger Konsistenz gezuechtet. Die Folge dieser Arbeit ist, dass sich die Frau des damaligen Dorf-Buergermeisters diese bevorteilten Samen unter den Nagel riss und nun sozusagen als einzige "unter Lizenz" die besten Avocados der Gegend verkauft.

Eine typische Tracht des Colcas
Der Cruz del Condor - der beruehmte Aussichtspunkt, an dem morgens in der Schlucht fliegende Condore gesichtet werden koennen. Hier allerdings der Cruz del Condor ohne Condor - denn wir sahen nur einen einzigen chiquitito-winzigen Babycondor. Der Mirador ueberzeugte mich als von Touristen ueberfuellte Sehenswuerdigkeit, die ich weder schoen noch beeindruckend fand, ueberhaupt nicht.
Frauen breiten jeden Tag ihre Wolldecken mit Alpakka-Kleidung, Tonfiguren und anderen Touristenartikeln aus

Abschliessender Blick in das Tal - dieses wie die gesamte Landschaft rund um den Aussichtspunkt und im Canyon wunderschoen durch die vielen kleinen Doerfer!

Trautes Heim, Glueck allein


Gehoert zu den beruehmten "1000 Dingen, die du gemacht haben solltest, bevor du stirbst" (oder wie auch immer sich dieses zweifelhafte Buch schimpft) eigentlich auch, eine Wohnung in einem anderen Land gemietet zu haben? Fuer mich gerade schon - auch wenn es mit Sicherheit nicht das letzte Mal war. Es sei denn, das naechste Mal wird's gleich ein Haus, natuerlich.
Seit knapp 2 Monaten leben Hedwig und ich in einem wunderschoenen Appartement in Arequipa, wobei meine Aufenthalte dort sich nicht wirklich als "leben" bezeichnen lassen. Nachdem nach 3 Tagen Suche (nach 2 Tagen hoffnungsloser Suche glaubten wir nicht mehr an ein so schnelles und gutes Ende) der Mietvertrag von Hedwig unterschrieben und die wichtigsten Einrichtungsgegenstaende innerhalb von 2 darauffolgenden Tagen besorgt wurden, verbrachte ich noch weitere 3 Tage im neuen Heim, bevor ich mich fuer 6 Wochen auf Reise machte.
Tja, und jetzt bleibt mir ja leider gerade mal noch eine Woche, bevor es weiter geht.
Selbst schuld... meine Reiseplaene gestalte ja schliesslich ich.

Uebrigens wohnen wir direkt in der Mitte von allem: hinter dem einzigen grossen Einkaufszentrum Arequipas mit groesstem Supermarkt und Kino (morgen Kinotag fuer 3,50 Soles, juhu), 3 Gehminuten von der Hauotstrasse mit Banken, Internet, Tausenden von Busverbindungen, Restaurants...



Und jetzt zeige ich euch mal, wie es in unserem Gringa-Reich aussieht!






Zu diesem sonnigen Patio kommt durch die Haustuer - klar. Hier gehen alle Zimmertueren ab, diese Tuer fuehrt zum Beispiel in Hedwigs Zimmer und von dort aus weiter ins Wohnzimmer und in mein Zimmer. Mein Zimmer kann ich auch alleine vom Patio betreten. Rechts nicht zu sehen ist die Kuechen- sowie Badtuer.

Sicherheit muss sein - Blick aus meiner Zimmertuer in den Patio mit Kuechentuer. Das Becken zum Ab- sowie Waesche waschen befindet sich in der Ecke hinten, ist in peruanischen Haeusern meistens nicht in der Kueche! Haus ist ein gutes Stichwort - eigentlich bewohnen wir keine Wohnung, sondern ein Flachdachhaus, da oben ausser eines Daches zum Abladen von riesigen Mengen Geruempel nichts mehr kommt. Wir haben unseren eigenen Eingang und werden von niemandem gestoert.

Die Kueche. Ich habe ja gesagt, nur die wichtigsten Gegenstaende sind vorhanden. Aber mehr braucht man ja auch nicht...

Das Wohnzimmer mit Mitbewohnerin. Blick von meinem Zimmer - denn bisher ist beides noch eins, wird aber bald getrennt.

Und zum Schluss ein kleiner Schatz: Dieses Radio - ja, ein Radio! - wurde fuer uns in der Wohnung gelassen. Super Klang und eine tolle Kommode - man muss ja auch praktisch denken.

Samstag, November 18, 2006

Reisen

Als ich vor 6 Wochen nach Bolivien aufbrach, machte sich einige Stunden vorher beim Packen meines Rucksackes ein sonderbares Gefuehl in mir breit, verdrang kurzzeitig meinen "Ich will rauss hier und reisen, egal was passiert"-Willen.Kennt ihr diese kurzen Anfluege, die einem ein "Was zum Teufel mach ich hier eigentlich?" durch den Kopf jagen und in sekundenschnelle alles vorher gedachte, geplante, da gewesene in einem komplett anderen Licht erscheinen lassen? Dann wisst ihr auch, wie es sich, genau so schnell wie es gekommen ist, wieder verfluechtigt und nichts als Unverstaendnis zuruecklaesst - wie sehr man sich auch das Hirn verrenkt, man kann die eigenen Zweifel nicht mehr nachvollziehen und denkt absolut so wie vorher. (Ist das eigentlich normal oder passiert das nur Personen, die eh gerne mehrmals taeglich spontan ihre Meinung aendern?)

Ich veranschiedete mich vorerst nur fuer 4 oder 6 Wochen, aber meine Gefuehle gaukelten mir etwas anderes vor: Jetzt ist fast die Zeit gekommen, in der du dich fuer immer verabschiedest.Die letzte Umarmung von Hedwig und ihr "Cuidate" (Pass auf dich auf) trieben mir die Traenen in die Augen (hast du das eigentlich gesehen, Hedwig:)?).

Meine Reise war, wie ihr lesen konntet, spannend, aufregend, erlebnisreich. Ich habe viele tolle Menschen getroffen mit denen ich immernoch Kontakt habe und weiterhin haben werde - und damit einige neue "Zuhause" auf der Welt.Es ueberrascht mich immer wieder, wie sehr negative Erlebnisse, derer ich nun ja schon einige hatte (z.B. Diebstaehle...) einem letztendlich durch die liebevolle Hilfe anderer Menschen meistens doch wieder so viel Positives geben und einen spuren lassen, dass man nicht alleine ist und nie sein wird, und dass es doch so viel Gutes im Menschen gibt.

Dennoch fuehlte mich in der Zeit in Bolivien oft gespalten.Ich habe mir fuer meine erste Allein-Rucksack-Reise das aermste Land Suedamerikas ausgesucht. Mehr als zwei Drittel der 8,5 Millionen Bolivianer leben von weniger als einem Dollar pro Tag, das bedeutet extremste Armut. In den Staedten streifen Jungen, die oft kaum älter als fünf Jahre sind, durch die Straßen und bieten ihre Dienste als Schuhputzer an. Einmal Schuheputzen kostet bei ihnen einen Boliviano, das sind elf Cent. Viele von ihnen sind obdachlos und schnüffeln Klebstoff. Im Hochland der Anden leben viele Bauern ausschließlich von Kartoffeln. Sie wohnen in strohgedeckten Lehmhütten und müssen auch bei Temperaturen unter Null ohne Strom und sauberem Trinkwasser auskommen. Die Hälfte der Kinder in Bolivien unter fünf Jahren ist wegen Unterernährung im Wachstum zurückgeblieben.Ich sehe diese Dinge auch im armen Peru, und haette nie gdacht, dass der Unterschied zwischen den beiden Laendern so fuehlbar ist. Aber das ist er. Deprimierend, zumal ich momentan das (uebrigens empfehlenswerte) Buch "Die offenen Adern Lateinamerikas von Eduardo Gelaeno lese, dass die Geschichte der Armut dieses Kontinents und somit gleichzeitig des Reichtums Europas und der USA erklaert.

Oft standen mir die Traenen in den Augen, und ich wusste nicht, was besser ist: Einfach fluechten um es nicht mehr mit anstehen zu muessen, meine Augen ausschliesslich auf die schoene Landschaft und all die teuren Touri-Attraktionen zu lenken, die die meisten Bolivianer niemals sehen werden, oder diese Welt mit schonungslosen Augen und nicht mit denen eines typischen "Ich hetze schnell die besten Spots des Landes ab und schiesse ab und zu Fotos eines armen suessen Kindes"-Touris zu anzusehen?

Gleichzeitig ist die angespannte Stimmung im Land spuerbar - von Hoffnung wegen des neuen Praesidenten bis zu Massenabwanderung wegen fehlender Zukunft.Ich fuehlte mich schrecklich wegen meiner Haut- und Haarfarbe und meines Geldes.Ich fuehlte mich "gehasst" und unfreundlich behandelt von vielen Menschen - und bis auf Ausnahmen war es sicherlich auch so.

Und an das ohne Kompromisse Allein-Sein muss man sich erst einmal gewoehnen.

Ich weiss, dass es unmoeglich ist, die erstgenannten Gefuehle zu verdraengen. Und wiederum lerne ich daraus auch sehr viel ueber die Laender, Politik und Geschichte.

Und ich weiss auch, dass die Gefuehle waehrend des Allein-Seins/Allein-Reisens ein Prozess sind, durch den ich muss! (waere ja gelacht...)
Da bin ich schliesslich nicht die erste!

Dieses Geschreibsel aenderte mittendrin die Richtung, in die ich eigentlich wollte.Ich wollte euch nicht volljammern - sondern eigentlich auf etwas hinaus, was Emotionen heisst.Denn mit meinen kann ich gleich einen riesigen Emotionen-Shop aufmachen - sach' was, hat 'se!

Es fing mit Malaysia an, und ein Ende ist noch nicht in Sicht.Und das macht mich andererseits auch verdammt gluecklich!

In den vergangenen Monaten aenderte ich meine Reiseplaene staendig und bin noch nicht durch damit. Das werde ich sicherlich auch bis zum Ende nicht sein, aber es macht Spass, wie ich lustig bin mir irgendetwas auszudenken, mich darauf zu freuen, und es nachher wieder zu verwerfen, weil es etwas Neues gibt, von dem ich mich in Sekundenschnelle begeistern lasse.
Reisende Backpacker, die ich treffe, und deren Routen begeistern und inspirieren mich.Es gibt so viele Orte zu entdecken auf der Welt!

Ja, ich merke, ich schreibe gerade doch wieder in Touri-Manier! Aber genau dieser krasse Unterschied zwischen der eigenen Entdeckerlust und Moeglichkeiten (!) und der anderen Welt, durch die man reist, ist es ja, was mich hier staendig mitnimmt, beeinflusst, veraendert, nachdenken laesst.

Vielleicht konnte ich euch ein Stueck meiner kleinen Reise-Welt verstaendlich machen.
(Und dann noch ein Tip: das muesst ihr auch ausprobieren!)





Im "Mama Afrika" in Cusco - hier haengen nicht nur von mir Erinnerungen!


Diese lustige Runde besteht aus einem Ami, einem Englaender, einer Neuseelaenderin, einer Hollaenderin und zwei Deutschen.

Mittwoch, November 15, 2006

Machu Picchu - Eine Legende mit eigenen Augen sehen



Ist das nicht eine gute Idee? Ab jetzt schreibe ich euch in diesem Blog und es bleibt euch ueberlassen, was ihr euch anschauen wollt und was nicht. Vielleicht bekomme ich dann auch meine Faulzeiten und Schreibanfaelle in den Griff, soll heissen, schreibe regelmaessiger und bombadiere euch nicht mit Riesen-Emails.

Wo ich gerade bin...
In Cusco, der ehemaligen Inka-Hauptstadt im Suedosten Perus, am Rande des peruanischen Regenwaldes. Zum dritten Mal. 9-13 Stunden Busfahrt von Arequipa.

Aber warum eigentlich?
Ich wollte schon vor 2 Wochen "nach Hause", nach Arequipa, zurueck, und zwar schoen umstaendlich und guenstig von La Paz in 14 Stunden in mehreren Bussen.
Meine Mitbewohnerin Hedwig durchkreuzte meine Plaene allerdings, indem sie mir schrieb, fuer 2 Wochen mit dem MMI auf einem Projekt und daher bis zum 17.11. nicht in der Wohnung zu sein. Schade!
Ich habe keine Lust, in Arequipa und der Wohnung alleine zu sein, ohne Hedwig machts keinen Spass, und geheuer ist es mir auch nicht (ja, ich bin ein Angsthase). Also aenderte ich meine Plaene ebenfalls kurzerhand, nachdem mir einfiel, den Machu Picchu noch nicht gesehen zu haben. Seit 5 Monaten in Peru und keins der groessten Touri-Highlights abgearbeitet, Schande!

Ich war so stolz auf den ausgetueftelten Plan, nicht auf den teuren Touri-Zug aufzuspringen, sondern in Eigenregie per Bus und Fussmarsch zur kleinen Stadt Aguas Calientes am Fusse des Machu Picchu zu gelangen. Der Reibach, der mit in der Hauptsaison taeglich hochsteigenden 1.000 Touristen gemacht wird, ist unglaublich!
Zug fast 60 Dollar, Machu Picchu 38 Dollar (waum war ich bloss nie Studentin? Mit Studentenausweis gibt's alle moeglichen Verguenstigungen sogar all over Suedamerika...), Hotel und so weiter!
In meinem 6-Bett-Dormitorio schlief auch ein Typ aus den USA, der den gleichen Plan hatte wie ich, wie sich nach 5 Minuten Gespraech herausstellte.
Die aufgrund gerade begonnener Regenzeit geaenderten Busplaene machten uns ein Strich durch die Rechnung, und somit landete ich letztendlich doch im Zug.

Nach einer Nacht im kleinen Oertchen Aguas Calientes, das staerker auf allen-Kram-kaufende-Touris gar nicht eingestellt sein koennte, ging es morgens um 06:30 mit dem ersten Bus die 400 Meter hinauf zum Machu Picchu.
Ich hatte keine grossen Erwartungen...und vielleicht gerade deshalb...






...trieb mir der erste Anblick des gesamten in Nebel gehuellten Machu Picchu die Traenen in die Augen. Ich war weniger ueberrascht von dieser ungewollten Reaktion als mehr vollkommen ueberwaeltigt von dem unglaublich wunderschoenen, mystischen Anblick der fast vollstaendig erhaltenen, leerstehenden Ruinenstadt.




Da in den Yungas, den "Augenbrauchen des Dschungels" (Uebergang vom Hochland zum tropischen Tiefland), gelegen, besteht die Flora und Fauna der Region um den Machu Picchu sowie der Berg Machu Picchu selbst aus unendlich vielen verschiedenen tropischen Pflanzen (z. B. vielen Orchideen-Arten). Die gesamte Stadt Machu Picchu wurde nachdem sie von den letzten Inkas verlassen wurde vom Dschungel ueberwuchert und dadurch sowie durch ihre perfekte strategische Lage auf der Bergspitze mit Aussicht in die wild bewachsenen Taeler nicht von den spanischen Conquistadoren und Pluenderern gefunden. Dadurch ist sie das bisher bekannte groesste komplett erhaltene Inka-Erbe der Menschheit. Die Stadt war bis zu ihrer offiziellen Entdeckung durch einen Amerikaner staendig in den nicht bewachsenen Teilen von zwei indigenen Familien bewohnt und der Quechua-Bevelkerung seit jeher bekannt. Alle Schaetze inkl. mehrer Mumien sind Geruechten und mehreren Zeugen zufolge vom amerikanischen Entdecker geraubt worden und befinden sich seitdem in der Yale-Universitaet in den USA. Wer weiss das schon, jedoch seltsam, dass kein Museum der Welt auch nur einen Gegenstand aus der umfangreichen Macu Picchu-Sammlung vorzeigen kann...











Die beruehmten Inka-Terrassenhaenge zum Feldbau und die spaektakulaere Aussicht in das Tal des Urubamba-Flusses.



Der Nebel steigt langsam auf, die Sicht wird immer besser und mehr von den Ruinen wird sichtbar...











Nach der 2-stuendigen Besichtigungstour verbrachte ich 6 weitere Stunden auf dem Berg. Kleine Wanderungen fuehren zu dem Sonnentor und einer von den Inkas gebauten Bruecke ueber eine kleine Schlucht. Das schoenste an den Wanderungen war die Landschaft!






Und das bin ich! Fuer Stunden sitzend und einfach nur guckend...